Das rasche, weltweite und ungleichmäßige Wachstum der ETFs

In den letzten Jahren erwiesen sich börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds, ETFs) als eine der bahnbrechendsten Entwicklungen in der globalen Asset- und Wealth-Management-Branche (AWM).

Seit ihrer Einführung in den 1990er Jahren entwickelten sich ETFs von einer eigentümlichen Neuheit zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Instrumentariums von Asset Managern. Seither wuchs sowohl ihre Anzahl als auch ihr verwaltetes Vermögen (AuM) fortwährend.

Die Popularität und umfassende Verbreitung von ETFs beruhen auf ihrer Vielseitigkeit, ihren geringen Gebühren sowie ihrer Flexibilität, da sie an einem einzigen Handelstag beliebig oft gehandelt werden können. Zudem entstehen für die Anleger relativ geringe Kosten, da es sich um (zumeist) passive Fonds handelt, die weitaus weniger Verwaltungsaufwand erfordern als ihre traditionellen Pendants.

Trotz der erheblichen weltweiten Expansion innerhalb der letzten Dekade konzentriert sich die überwiegende Mehrheit des ETF-AuM derzeit auf die USA und einige wenige weitere Märkte. Obwohl ETFs in einigen Schwellenländern rapide zunehmen, scheint nur China in der Lage zu sein, mit den großen Akteuren zu konkurrieren.

Die Vereinigten Staaten: Globaler ETF-Leader

In den Vereinigten Staaten erfolgte die Einführung von ETFs schneller und energischer als in jedem anderen Land, da sie im Vergleich zu Investmentfonds von einer einzigartig großzügigen Steuerregelung profitieren: Bei fondsinternen Transaktionen werden ETF-Anteile häufig gegen Wertpapiere anstelle von Geldmitteln getauscht, wodurch keine steuerpflichtigen Vorgänge eingeleitet werden.

Im 2. Quartal 2023 belief sich der globale ETF-Markt auf 10,4 Billionen USD in AuM. Die Marktverteilung zeigt dabei starke Ungleichgewichte: 66,5 % der Unternehmen sind in den Vereinigten Staaten domiziliert, gefolgt von Irland, Japan und Luxemburg.

Abb.1: Globales ETF-AuM, 2. Quartal 2023 (Mrd. USD)

Quelle: PwC Global AWM & ESG Market Research Centre; Refinitiv Lipper

Europa: Irland an vorderster Front

Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten unterliegen ETFs in der EU dem gleichen Steuersatz wie UCITS, wodurch ihr Vorteil gegenüber traditionellen Anlageprodukten abnimmt. Irland gilt als die ETF-Hauptstadt Europas und stellt mit deutlichem Abstand den zweitgrößten ETF-Markt der Welt dar, da Dividenden aus US-Aktien aufgrund eines Steuerabkommens aus dem Jahr 1997 in Irland mit 15 % und nicht wie im Rest der EU mit 30 % besteuert werden. Bis zum 2. Quartal 2023 durchbrach das irische ETF-AuM die Marke von einer Billion USD.

Luxemburg belegt mit 323 Milliarden USD in ETF-AuM den zweiten Platz in Europa. Deutschland folgt mit 77 Milliarden USD an ETF-AuM an dritter Stelle (und an neunter Stelle weltweit).

In den kommenden Jahren wird mit einem stetigen Wachstum dieser Märkte gerechnet. Gemäß dem PwC-Bericht „ETF 2027: A world of new possibilities“ zeigen die konservativsten Schätzungen, dass das europäische ETF-AuM bis 2027 auf zwei Billionen USD und das amerikanische auf mindestens neun Billionen USD ansteigen dürfte. Hinsichtlich der nationalen Marktanteile ist jedoch nicht mit wesentlichen Veränderungen in absehbarer Zeit zu rechnen.

Schwellenländer: Ein uneinheitliches Bild

Auf die Entwicklungsländer entfallen nur etwa 3 % des weltweiten ETF-AuM, wobei die BRICS-Länder 96 % dieses Anteils ausmachen. Dieses Wachstum erfolgt jedoch sehr ungleichmäßig, da China allein 72 % des gesamten, aufstrebenden ETF-Marktes ausmacht und mit 2,2 % des weltweiten Marktanteils und einem AuM von 247,8 Milliarden USD auf Platz sechs der globalen ETF-Märkte rangiert. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 25,2 % im Zeitraum 2012-Q2 2023 verzeichnet China auch den am schnellsten wachsenden Markt, einzig übertroffen von Japan mit 25 %.

Weitere 20 % des ETF-AuM in den Schwellenländern entfallen auf Indien, das hinsichtlich seines Marktanteils das zweitgrößte BRICS-Land darstellt. Mit Ausnahme Russlands, welches seit 2012 nicht mehr am ETF-Markt teilnimmt, erzielten jedoch alle BRICS-Länder ein positives Marktwachstum in den vergangenen Jahren. Angesichts dieses raschen Wachstums in China und anderen Schwellenländern stehen die derzeitigen, globalen ETF-Zentren, darunter Luxemburg und Kanada, unter Druck, ihre ETF-Infrastruktur umgehend auszubauen und zu erweitern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Abb.2: ETF-AuM der Schwellenländer Q2 2023 (Mrd. USD)

Quelle: PwC Global AWM & ESG Market Research Centre; Refinitiv Lipper

Abb. 3: Wachstum der ETF-AuM, 2012-Q2 2023 (in Mrd. USD)

Quelle: PwC Global AWM & ESG Market Research Centre; Refinitiv Lipper

Der Aufstieg der aktiven ETFs

Der derzeit wichtigste Trend in der ETF-Branche betrifft aktive ETFs. Im Gegensatz zu ihren passiven Pendants zielen aktive ETFs darauf ab, den Markt zu schlagen und nicht nur die Performance eines Index nachzubilden. Aktive ETFs nutzen die strukturellen Vorteile eines ETFs gegenüber jenen eines Investmentfonds und versuchen gleichzeitig, die höheren Renditen traditioneller Anlageprodukte zu erzielen.

Weltweit wachsen aktive ETFs deutlich schneller als passive, auch wenn sie im zweiten Quartal 2023 noch lediglich 5,5 % aller ETFs ausmachen (gegenüber 2,3 % im Jahr 2012). Laut dem bereits genannten PwC-Bericht verzeichneten aktive ETFs im Jahr 2022 Nettozuflüsse in Höhe von 102 Milliarden USD, verglichen mit Nettoabflüssen bei Investmentfonds in Höhe von 1,5 Billionen USD. Darüber hinaus erwarten 74 % der US-amerikanischen und 30 % der europäischen ETF-Manager einen Anstieg der Nachfrage nach aktiven ETF innerhalb von zwei bis drei Jahren.

Eine wachsende Zahl von Vermögensverwaltern wandelt sogar Investmentfonds in ETFs um (20 % laut PwC‘s globaler AWM-Umfrage 2023). Die Umfrage ergab auch, dass fast ein Viertel der institutionellen Anleger erwägt, in den nächsten zwei Jahren in aktive ETFs zu investieren.

Abb.3: CAGR der größten ETF-Märkte 2012-2022 & Aktives ETF-AuM (Mrd. USD)

Anmerkung: Luxemburg und Japan wurden aus der Grafik herausgenommen, da es in Luxemburg seit 2018 keinen aktiven ETF-Markt mehr gibt und in Japan noch nie einen gab.

Quelle: PwC Global AWM & ESG Market Research Centre; Refinitiv Lipper

Dennoch ist die Domizilierung aktiver ETF nach wie vor stark auf die USA und die übrigen, gängigen Märkte konzentriert. Besonders die USA zeigten sich bei der Aufnahme aktiver ETFs offensiv und repräsentierten im Jahr 2022 70,4 % des weltweiten AuM aktiver ETFs.

Quo Vadis ETFs?

Das Wachstum des Marktes für ETFs dürfte sich in absehbarer Zukunft weiter fortsetzen, wobei ein Großteil dieses Wachstums in Ländern erfolgen dürfte, die bereits eine hohe Marktdurchdringung in diesem Bereich aufweisen. Die konservativsten Schätzungen im PwC-Bericht „ETFs 2027“ gehen davon aus, dass sich das weltweite ETF-AuM bis 2027 auf 11 Billionen USD vervielfachen wird. Auch bei aktiven ETFs wird sich dieser Aufwärtstrend voraussichtlich fortsetzen, da sie trotz ihres höheren Risikoprofils aufgrund ihrer attraktiven Renditen das Interesse von immer mehr Anlegern und Fondsmanagern auf sich ziehen.

Abb. 5: Erwartungen der Führungskräfte zum Wachstum der ETF-AuM bis 2027 (Billionen USD)

Quelle: PwC (2023), ‘ETFs 2027: A world of new possibilities’

 

 

29. Februar 2024

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