Entwicklung des Wachstums privater Märkte inmitten von Ungewissheit

Verlangsamung der privaten Märkte…

Im vergangenen Jahrzehnt haben europäische Privatmärkte (PM) einen Zustrom von Anlegergeldern erfahren. Im ökonomischen Umfeld der Negativzins-Politik hat die Suche nach Rendite diese anwachsende Nachfrage katalysiert. Ausgehend von zunehmender Wertschöpfung und Integration von ökologischen, sozialen und unternehmerischen Kriterien (ESG) durch die General Partners (GPs), geht der im Januar 2021 veröffentlichte PwC-Bericht „Prime Time for Private Markets“ davon aus, dass die europäischen Privatmärkte in den kommenden Jahren weiter wachsen werden.

Die Beobachtungen des Berichts haben sich bewahrheitet und das Jahr 2021 hat sich für die Privatmärkte als außerordentlich erwiesen. Nachdem sich insbesondere ein starker wirtschaftlicher Aufschwung abzuzeichnen begann, gingen sowohl institutionelle als auch private Anleger auf die Suche nach Renditen von öffentlichen in private Märkte über. Die Geldbeschaffung und die Transaktionen in Europa nahmen wieder zu, während Kapital in risikoreiches Private Equity (PE), Infrastruktur und Immobilien floss.

Aufgrund von zunehmendem Inflationsdruck, der wachsenden geopolitischen Unsicherheit und den Herausforderungen in der Lieferkette verschlechterte sich die Marktstimmung, was dieses Wachstum 2022 erheblich ausbremste. Im Vergleich zu 2021, als die europäischen PM-Finanzierungen nach der COVID-19-Krise ihren Rekordwert von 341,3 Mrd. USD erreichten, wurden bis September 2022 nur 196,5 Mrd. USD realisiert (siehe Abb. 1). Eine vergleichbare Verlangsamung ist bei den Transaktionen zu beobachten: Der Gesamtwert lag im September bei 283,4 Mrd. USD – was nur 43 % der Rekordwerte des Vorjahres entspricht.

Abb. 1. Mittelbeschaffung durch in Europa ansässige Fonds (Mrd. USD) (PwC Global AWM Research Centre; Preqin)

Dieses gedämpfte Wachstum ist auf allen europäischen privaten Märkten zu beobachten. Nach dem starken Jahr 2021 hat die Unsicherheit in Bezug auf die Inflation und die Bewertungen von Vermögenswerten zu einer erheblichen Verlangsamung der PE-Deal-Pipelines geführt. Die YTD-Daten (Year-to-date) deuten auf einen deutlichen Rückgang der Exit- und Fundraising-Aktivitäten hin. Davon sind hauptsächlich Buyouts betroffen.

Immobilienverkäufe wurden nicht nur durch steigende Hypothekenzinsen gedämpft, sondern auch aufgrund steigender Baukosten und dem daraus folgenden Rückgang der Immobilienentwicklung. Infrastruktur wird von den Anlegern zunehmend als „defensive Anlage“ und als Absicherung gegen die Inflation betrachtet. In den gegenwärtigen Zeiten der Marktunsicherheiten macht sie dies besonders attraktiv. Auch wenn die Investitionen in diese Anlageklasse im Vergleich zu 2021 zurückgegangen sind, ist es wahrscheinlich, dass die europäischen Privatmärkte kurz vor einer historischen Umschichtung von Vermögenswerten in Richtung nachhaltiger Infrastrukturen stehen – wie z.B. automatisierte Infrastruktur für Müllentsorgung oder Ladeflotten für Elektrofahrzeuge. Dies liegt der zunehmenden Nachfrage der Gesellschaft nach Nachhaltigkeit bei Produkten, Dienstleistungen und im öffentlichen Raum zu Grunde. Gleichzeitig haben die politischen Entscheidungsträger und Regulierungsbehörden begonnen, darauf zu reagieren.

… Private Debt – die Ausnahme!

Im Gegensatz zu anderen Anlageklassen im Privatmarkt scheint Private Debt (PD) das einzige Anlageinstrument zu sein, das nicht durch Inflation und Unsicherheiten in den Märkten beeinträchtigt wird. Während im Jahr 2021 das Fundraising von PD-Fonds mit Sitz in Europa mit 56,8 Mrd. USD ein Rekordhoch erreichte, erwarten wir, dass 2022 das Niveau des Vorjahres erreicht (oder sogar übertroffen) wird. Tatsächlich haben die europäischen PD-Fonds bis September 45,4 Mrd. USD akkumuliert – rund 80 % des Vorjahresniveaus. Diese starke Geldbeschaffung ist auf die starke Nachfrage der Investoren von PD zurückzuführen, die durch die steigenden Zinsen und den Finanzierungsbedarf verstärkt wird.

Abb. 2. Geldbeschaffung durch in Europa ansässige Private Debt Funds (Mrd. USD) (PwC Global AWM Research Centre; Preqin)

Zukunftsweisende Chancen für private Märkte

Ende 2020 veröffentlichte PwC einen Bericht, in dem ESG als „die Wachstumschance des Jahrhunderts“ bezeichnet wurde. Diese Kernaussage gilt nach wie vor. Angesichts der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Welt und der Einführung von ESG-Vorschriften in Europa und Nordamerika, werden ESG-Investitionen weiter heranwachsen und eine tragende Säule der Asset- und Wealth-Management-Branche einnehmen.

Trotz der mit der Datenerfassung verbundenen Herausforderungen, setzen General Partners und Limited Partners weiterhin auf ihr ESG-Engagement. Besonders der Aspekt der Wertsicherung und Wertschöpfung durch ESG spielt hier eine entscheidende Rolle. Letzten Endes generieren Unternehmen, die sich signifikant um Netto-Null-Emissionen bemühen, Vielfalt und Inklusion fördern und hohe Standards für Transparenz und Rechenschaftspflicht einhalten nicht nur höhere Renditen, sondern genießen auch eine starke Marke und einen guten Ruf.

Abb. 3. Private Märkte mit Sitz in Luxemburg (Mrd. USD) (PwC Global AWM Research Centre; Preqin)

Die Anlageklasse Infrastruktur scheint erhebliche Kapitalströme anzuziehen, von denen ein Großteil auf ESG ausgerichtet ist. Diesbezüglich werden beispielsweise Investitionen in erneuerbare Energiequellen oder die nachhaltige Gestaltung bestehender Infrastrukturen von vielen als der Weg der Zukunft angesehen. Bis zum Jahr 2025 wird erwartet, dass die AuM der privaten Märkte in Luxemburg eine starke jährliche Wachstumsrate (CAGR) zwischen 13,4 % und 21,2 % aufweisen werden. Dies wird mit dem günstigen regulatorischen und geschäftlichen Umfeld des Landes begründet. Infrastruktur wird unter allen möglichen Szenarien zu der bedeutendsten Anlageklasse in Bezug auf die AuM der luxemburgischen Privatmärkte avancieren.

 

 

08. November 2022

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Autor

Dariush Yazdani

Dariush Yazdani leitet das AM Market Research Centre innerhalb von PwC Luxembourg. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Finanzdienstleistungsbranche und hat verschiedene Forschungs- und Thought-Leadership-Studien geleitet und war zudem in der strategischen Beratung von Kunden tätig.

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