VAG 2.0 – Sind Sie bereit?

Die Dynamik im regulatorischen Bereich bleibt in der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart hoch. Nach der CRR II, welche im Sommer 2021 in Kraft getreten ist, gibt es nun mit VAG 2.0 auch ein Update im Reporting für deutsche Versicherungen und Pensionsfonds. Ab Anfang 2022 kommen umfassende Änderungen hinsichtlich des VAG Reporting Templates und der zugrunde liegenden Klassifizierungen. Die Fenion GmbH ist ein führendes RegTech aus Österreich und beschäftigt sich ausschließlich mit Fondsdaten und der Erfüllung von regulatorischen Reporting-Erfordernissen und damit zusammenhängenden quantitativen Services an institutionelle Investoren.

FONDSTRENDS.LU:
Herr Sernetz, was hat sich in der jüngsten Vergangenheit in Ihrem Geschäftsbereich verändert?

Nikolaus Sernetz: Wir sehen in letzter Zeit eine weiterhin hohe Dynamik im regulatorischen Bereich. Regulatorische Templates werden zunehmend neu gedacht und entsprechend den Markterfordernissen angepasst. Dabei sehen wir in so mancher Regulatorik, wie beispielsweise der CRR II für Banken, eine steigende Komplexität im Bereich der quantitativen Berechnung mancher Kennzahlen. Unsere Aufgabe ist es somit, unseren Kunden stets die aktuellen Reporting Templates und Berechnungen zur Verfügung zu stellen. Kunden wiederum ersparen sich das Monitoring und Einarbeiten in neue Regulatorik sowie die Implementierung und das Testen der neuen Prozesse, aber auch die operative Erstellung und den Versand der Reports.

FONDSTRENDS.LU: Im Januar 2022 wird VAG 2.0 erstmals geliefert. Wie umfangreich sind die Veränderungen?

Nikolaus Sernetz:
Das Template ist grundsätzlich unserer Ansicht nach besser zur automatisierten Datenverarbeitung geeignet. Hinsichtlich der Rating-Allokationen wird nun eine höhere Granularität als zuvor gefordert. Auch einige neue Allokationen werden in VAG 2.0 unterschieden. Beispielsweise wurde die Kategorie der „Bail-in fähigen Schuldtitel“ neu eingeführt. Hier reagiert man insbesondere darauf, dass seit 1. Januar 2017 im Falle der Insolvenz eines Kreditinstitutes auch unbesicherte Schuldtitel zur Gläubigerbeteiligung herangezogen werden können. Da sich in den Portfolios der Versicherungsunternehmen oftmals viele Anleihen von Kreditinstituten befinden, sehen wir das als eine durchaus sinnvolle Adaptierung. Auch auf Fondslevel will man den durchaus veränderten Markterfordernissen gerecht werden und manche Fondskategorien, wie beispielsweise Private Equity Fonds, separat ausweisen.

FONDSTRENDS.LU: Wie gut ist die Asset Management Industrie auf VAG 2.0 vorbereitet?

Nikolaus Sernetz: (Lacht) Ob die Industrie darauf vorbereitet ist, kann ich nicht gut beurteilen. Grundsätzlich wurde VAG 2.0 bereits im Sommer 2021 angekündigt. Das heißt die Awareness für das Thema ist grundsätzlich im Markt vorhanden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele Marktteilnehmer von neuen Regularien immer wieder auf dem falschen Fuß erwischt werden. Meistens sehen wir kurz vor Start der erstmaligen Lieferung einen starken Anstieg der Anfragen. Obwohl die Änderungen dieses Mal nicht allzu drastisch ausfallen, erfordert eine Umstellung oft eine detaillierte Analyse, gefolgt von einem Implementierungsprojekt und umfassendem Testing durch die jeweiligen Produkt- bzw. Daten-Teams. Vor diesem Hintergrund entscheiden sich Marktteilnehmer in vielen Fällen das Thema auszulagern.

FONDSTRENDS.LU: Ist die Komplexität des VAG Reporting mit anderen regulatorischen Formaten vergleichbar?

Nikolaus Sernetz: Es stellt sich zuerst die Frage, an was Komplexität gemessen wird. Hinsichtlich der quantitativen Fragestellungen und der Anzahl verschiedener Reporting Templates ist die VAG Komplexität verhältnismäßig geringer als in der CRR II oder im Solvency II. Der Teufel steckt allerdings oftmals im Detail. Oft ist es nicht so einfach, Instrumente anhand der in den Gesetzestexten festgelegten Anforderungen zu klassifizieren. Insbesondere die Datenqualität und Datentiefe der zugelieferten Daten können zu Herausforderungen bei der Erstellung von Reports führen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Handelbarkeit von Wertpapieren auf regulierten Märkten, wo teils auch externe Daten-Vendoren unterschiedlichste Herangehensweisen haben.

FONDSTRENDS.LU: In welche Richtung wird sich die Regulatorik Ihrer Ansicht nach weiterentwickeln?

Nikolaus Sernetz: Wir rechnen weiterhin mit einem stark dynamischen Umfeld in der Regulatorik. Zuletzt haben wir vom Regulator höhere geforderte Durchrechnungsquoten bemerkt sowie teils verkürzte Meldestichtage für Investoren. Beides beeinflusst uns als RegTech Dienstleister selbstverständlich erheblich. Der Lieferzeitpunkt rückt immer stärker in den Fokus von Kunden – und damit auch der Prozess und die Technologie, mit welcher die Reports erstellt werden. Zuletzt hat der Regulator Neuerungen im Bereich Solvency II vorgeschlagen. Sehr starker Fokus liegt aber selbstverständlich auch auf den Bereich Sustainability / ESG und PRIIPS.

FONDSTRENDS.LU: Herr Sernetz, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiter viel Erfolg!

 

 

10. Januar 2022

 

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Autor

Nikolaus Sernetz

Nikolaus Sernetz ist Gründer und Geschäftsführer der Fenion GmbH. Er studierte Internationale Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und leitete die Abteilung für „Fondsdaten und regulatorisches Reporting“ bei Deloitte Österreich. Sernetz ist Lehrender an der Fachhochschule des BFI Wien zum Thema Marktrisiko und Berechnung der Eigenkapitalhinterlegung von Versicherungen. Aktuell ist er auch Co-Autor beim Buch „Meldewesen für Finanzinstitute“, welches 2021 vom Springer Verlag veröffentlicht wird, und beleuchtet im Detail das Meldewesen und Reporting österreichischer Vorsorgekassen.

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