Solvency II Reporting

„Solvency II TPTs sind nicht einfach nur ein Look-Through, sondern vielmehr die Basis für eine korrekte Meldung an die NCAs“

Die jüngste Umfrage von FinDatEx zum Thema Datenqualität im Bereich Solvency II Reporting beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Datenintegrität und -qualität im institutionellen Sektor. Insbesondere im Versicherungs-, Pensionskassen- und Kapitalverwaltungsbereich stellt die Gewährleistung einer hohen Datenqualität eine immer größere Herausforderung dar. Gleichzeitig steigen die regulatorischen und individuellen Anforderungen zunehmend. FONDSTRENDS.LU sprach mit Nikolaus Sernetz, Managing Partner der Fenion GmbH, über die vielfältigen Gründe der Mängel im Bereich Solvency II.

FONDSTRENDS.LU: Herr Sernetz, dieses Mal thematisieren wir nicht das VAG-Reporting, wie zuletzt in einem Interview Anfang 2020, sondern widmen uns dem Thema Datenqualität im Bereich Solvency II Reporting, das immer wieder in die Kritik gerät. Die FinDatEx Solvency II hat nun am 07. März beschlossen, die erste umfassende Datenqualitätsumfrage nach der Vorlage seit der Einführung im Jahr 2015 zu organisieren. Fondsmanager, Versicherungsunternehmen und Dienstleister werden bis zum 12. April aufgefordert, teilzunehmen und ihre wertvollen Erkenntnisse einzubringen. Woran liegt bisher die angesprochene mangelhafte Umsetzung im Bereich Solvency II?

Nikolaus Sernetz: Die Hintergründe für die Mängel in diesem Bereich sind einerseits auf mangelndes Know-How (insbesondere bei der Umsetzung komplexer Instrumente), andererseits auf Lizenzthemen (Befüllung „teurer“ Datenfelder) zurückzuführen. Dabei ist es entscheidend, ob Daten überhaupt im ausreichenden Ausmaß zur Verfügung stehen und insbesondere, ob Gesellschaften diese lizenzrechtlich für die TPTs weitergeben dürfen.

FONDSTRENDS.LU: Wieso ist eine korrekte Abbildung der Solvency II TPTs wichtig?

Nikolaus Sernetz: Die Tripartite Templates wurden unter anderem dazu entwickelt eine Fondsdurchschau für Versicherungen zu ermöglichen und so die Hinterlegungspflicht von Eigenkapital in den meisten Fällen zu senken. Fehlen wichtige Datenfelder, so entstehen nicht unwesentliche Daten- und Lizenzkosten für die andere Seite, um die SCR Schock Parameter zu berechnen oder entsprechende Anreicherungen durchzuführen. Insbesondere die falsche Umsetzung von Derivaten kann einen erheblichen Impact auf die EK-Hinterlegung der Versicherung haben.

FONDSTRENDS.LU: Was passiert bei einer mangelhaften Implementierung von Solvency II TPTs?

Nikolaus Sernetz: Das Solvency II TPT ist eines jener Reporting-Formate, welches einerseits sehr gut dokumentiert und anderseits auf den ersten Blick verhältnismäßig gut verständlich ist. Das führt dazu, dass so manche Marktteilnehmer ihre eigene Interpretation der Spezifikationen haben. Solvency II TPTs sind nicht einfach nur ein Look-Through, sondern vielmehr die Basis für eine korrekte Meldung an die NCAs.
Was dabei oft vergessen wird, ist, dass TPTs auch für die Erstellung zahlreicher anderer regulatorischer Formate verwendet wird. Das bedeutet –  ist das TPT falsch, kann im schlimmsten Fall auch zahlreiche andere Regulatorik falsch sein – eine äußerst unangenehme Situation insbesondere im CRR Reporting und den verpflichtenden Audits. Auf Seite der Versicherung stellen heterogene Daten selbstverständlich eine Herausforderung dar.

FONDSTRENDS.LU: Was sind die häufigsten Mängel in diesem Bereich?

Nikolaus Sernetz: Wir sehen neben alten Spezifikationen oftmals keine TPTs auf Anteilsklassen-Ebene, fehlende Stammdaten, falsch klassifizierte Instrumente, oder auch die falsche Umsetzung von Derivaten innerhalb der Fonds. Was uns verwundert: Wir sehen außerordentlich oft inkorrekte Stammdaten, bei welchen wir uns fragen, woher diese kommen.

FONDSTRENDS.LU: Wie ist der Ansatz von Fenion, um dieses Problem zu lösen?

Nikolaus Sernetz: Wir haben im Wesentlichen eine eigene Engine entwickelt, die sich an die individuellen Herausforderungen der Kunden anpasst. Das können einerseits individuelle Datenqualitäts-Anforderungen der Versicherungen sein, oder andererseits beispielsweise Qualitätsstandards bei der Dachfonds TPT Erstellung. In beiden Bereichen begleiten wir Versicherungen und Kapitalverwaltungsgesellschaften bereits langjährig als Partner. Oftmals suchen wir selbstverständlich das Gespräch, weisen auf die Mängel hin und bieten uns als sinnvolle Alternative an.

FONDSTRENDS.LU: Wir danken Ihnen für das spannende Gespräch und wünschen Ihnen auch weiterhin viel Erfolg!

 

 

03. April 2024

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Autor

Nikolaus Sernetz

Nikolaus Sernetz ist Gründer und Geschäftsführer der Fenion GmbH. Er studierte Internationale Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und leitete die Abteilung für „Fondsdaten und regulatorisches Reporting“ bei Deloitte Österreich. Sernetz ist Lehrender an der Fachhochschule des BFI Wien zum Thema Marktrisiko und Berechnung der Eigenkapitalhinterlegung von Versicherungen. Außerdem ist er Co-Autor beim Buch „Meldewesen für Finanzinstitute“, welches 2022 vom Springer Verlag veröffentlicht wurde, und beleuchtet im Detail das Meldewesen und Reporting österreichischer Vorsorgekassen

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