Zunehmende regulatorische Anforderungen im Asset Management – vom „Nice to have“ zur Minimalanforderung institutioneller Investoren

Datenqualität ist ein kritischer Erfolgsfaktor im regulatorischen Reporting. Die Fenion GmbH ist ein RegTech aus Österreich und beschäftigt sich ausschließlich mit Fondsdaten und der Erfüllung von regulatorischen Reporting Erfordernissen institutioneller und semi-institutioneller Investoren. Insbesondere quantitative Services spielen dabei eine immer größere Rolle.

 

FondsTrends: Herr Sernetz, erzählen Sie bitte etwas genauer was Fenion macht und wofür das Unternehmen steht.

Nikolaus Sernetz: Fenion ist im Jahre 2017 ursprünglich aus der Abteilung Financial Service Advisory mit Fokus auf Fondsdaten und regulatorisches Reporting von Deloitte Österreich entstanden. Wir haben damals erkannt, dass die Datenqualität im Bereich des Fonds-Reporting oft sehr dürftig ist. Insbesondere Versicherungen, Pensionskassen und Banken haben steigende Meldeerfordernisse und somit vermehrt individuelle Reporting-Anforderungen, die es zu erfüllen gilt.
Wir sehen im Markt nicht nur eine immer größere Komplexität regulatorischer Vorgaben und steigende Anforderungen hinsichtlich quantitativer Services, sondern auch eine massive Verkürzung von Lieferdeadlines. Hohe Datenqualität und rasche Reaktionszeiten erfordern somit hocheffiziente Prozesse, welche wir bereits bei Deloitte implementiert haben und stetig weiterentwickeln.

 

FondsTrends: Was sind beispielsweise konkrete Herausforderungen im regulatorischen Bereich?

Nikolaus Sernetz: Eines unserer Kerngeschäftsfelder ist das Solvency II Reporting für Versicherungen bzw. Produktanbieter, welche Reporting Anforderungen in diesem Segment erfüllen müssen. Fenion ist in Österreich mittlerweile führend, wenn es um die Erstellung von Solvency II TPT Reporting geht.
Eine Herausforderung sind die immer quantitativeren Komponenten, wie etwa die Berechnung des Marktrisikos im Portfolio von Versicherungen. Speziell bei der Berechnung der Eigenkapitalhinterlegung sehen wir einen massiven Aufholbedarf in der Asset Management Industrie, sowohl bei Produktanbietern, als auch von manchen Service Providern.

Eine qualitativ hochwertige Berechnung erfordert – neben ausreichenden Stammdaten – Know-how im Bereich der europäischen Gesetzgebung und im Finanzsektor sowie höchst effiziente Prozesse. Derzeit sehen wir im Markt bei vielen Stakeholdern eine Verkürzung von Lieferdeadlines, welche oftmals nicht erfüllt werden können.
Zusätzlich entwickelt sich die Regulatorik stetig weiter – aktuell sehen wir beispielsweise eine neue Umsetzung der CRR II (Capital Requirements Regulation), welche ab Juni 2021 in Kraft tritt.

 

FondsTrends: Weshalb wenden sich Produktanbieter bzw. Versicherungen oftmals an externe Dienstleister?

Nikolaus Sernetz: Mitarbeiter mit dem oben beschriebenen Anforderungsprofil sind nicht einfach zu finden und relativ teuer. Mit entsprechenden Backup Lösungen und notwendigen IT-Implementierungen kann das Thema schnell ausufern. Zusätzlich ist es natürlich ein Risikofaktor, insbesondere wenn die Prozesse nicht sauber aufgesetzt oder langjährig getestet sind. Wir helfen somit sowohl Kapitalanlagegesellschaften bei der Erstellung und Verteilung regulatorischer Meldeformate, als auch institutionellen Investoren bei der Beschaffung und Verarbeitung der Daten. Unsere Kunden sparen nicht nur signifikante Ressourcen im Bereich Daten- und Risikomanagement, sondern können sich vor allem auf ihr Kerngeschäft, dem Asset Management bzw. der Fondsselektion konzentrieren.

 

FondsTrends: Können Sie uns ein konkretes Beispiel für das Datenmanagement und die Probleme dabei geben?

Nikolaus Sernetz: Das Problem fängt manchmal bereits beim Sammeln der Daten an – der Prozess ist teilweise recht aufwendig und viele Produktanbieter und KVGn sind nicht in der Lage die Daten zum vereinbarten Stichtag zu liefern.
Hat man die Daten erhalten, sind diese hinsichtlich der Qualität oftmals sehr heterogen. Wir sehen im Solvency II Reporting beispielsweise immer noch die Version 3 des Solvency II Tripartite Templates. Grundsätzlich ist die Version 5 bereits heute Marktstandard. Unvollständige Stammdaten und / oder falsch umgesetzte Datenfelder, welche nicht dem TPT Reporting Template entsprechen, erschweren die Berechnung des Marktrisikos ungemein. Teilweise sehen wir sogar, dass für Wertpapier Stammdaten, für welche keine Daten verfügbar sind, eine Null eingetragen wird. Bei manchen Feldern, wie beispielsweise der Modified Duration oder dem Coupon, kann das zu erheblichen Fehlern bei der Berechnung des Marktrisikos führen.

Eines der größten Themen ist jedoch sicher die Darstellung von FX-Hedging Strategien im Reporting. Diese wird teilweise von Marktteilnehmern falsch implementiert, so dass der Kunde mit einem 100% Währungshedge in seinem Fonds laut Reporting ein signifikantes Währungs-Exposure vorweist. Das führt natürlich nicht nur zu Falschmeldungen zum Regulator, sondern auch zu einem massiv höheren Marktrisiko bzw. Eigenkapitalhinterlegung für Versicherungen.

 

FondsTrends: Auf Ihrem Linkedin Profil habe ich gesehen, dass Sie auch Lehrender auf der Fachhochschule des BFI sind – wie kam es dazu?

Nikolaus Sernetz:
Wir arbeiten bereits seit längerer Zeit mit der Fachhochschule des BFI Wien zusammen. Aufgrund unseres zunehmenden Schwerpunkts im Versicherungsumfeld ist die Fachhochschule auf uns zugekommen, ob wir eine Vorlesung zur Berechnung des Marktrisikos von Versicherung machen können. Wir finden das ist eine passende Gelegenheit praxisorientierte Themen zu vermitteln, insbesondere hinsichtlich der steigenden Relevanz des Themas im Markt.

 

FondsTrends: Wie sehen Sie Ihre weitere Entwicklung als IT-Anbieter im Markt für Asset Management?

Nikolaus Sernetz: Hinsichtlich der Dienstleistungen sowie der Reporting Qualität sind wir bereits heute eines der führenden RegTechs in der Branche. Wir haben noch viel vor, bauen stets unsere Produktpalette aus und optimieren unsere Prozesse stetig weiter. Nach wie vor sehen wir viel Aufholbedarf in der Asset Management Industrie hinsichtlich Digitalisierung, Regulatorik und Automatisierung.

 

FondsTrends: Herr Sernetz, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiter viel Erfolg!

 

 

25. Februar 2021

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Autor

Nikolaus Sernetz

Nikolaus Sernetz ist Gründer und Geschäftsführer der Fenion GmbH. Er studierte Internationale Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und leitete die Abteilung für „Fondsdaten und regulatorisches Reporting“ bei Deloitte Österreich. Sernetz ist Lehrender an der Fachhochschule des BFI Wien zum Thema Marktrisiko und Berechnung der Eigenkapitalhinterlegung von Versicherungen. Aktuell ist er auch Co-Autor beim Buch „Meldewesen für Finanzinstitute“, welches 2021 vom Springer Verlag veröffentlicht wird, und beleuchtet im Detail das Meldewesen und Reporting österreichischer Vorsorgekassen.

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