Frauenpower im Asset Management: Warum Frauen es besser können als Männer

Vor rund fünf Jahren veröffentlichte FONDSTRENDS.LU einen Beitrag, in dem sich die Autorin für mehr Präsenz von Frauen im Fondsgeschäft aussprach. Dieser Beitrag greift das Thema auf und beleuchtet Frauen als Anlegerinnen sowie speziell im Asset Management.

Eine umfassende Studie von J.P. Morgan im vergangenen Jahr eröffnete aufschlussreiche Einblicke über Investitionsanreize sowie Gründe für die finanziellen Zurückhaltung von Frauen. Obwohl sich die Mehrheit durchaus vorstellen kann, in der Zukunft ein eigenes Wertpapierdepot zu führen, investierte lediglich knapp ein Fünftel der befragten Frauen auf regelmäßiger Basis. Die erschreckende Mehrheit von insgesamt fast 80 % setzen trotz „sparfeindlichem“ Umfeld im Kontext von steigender Inflation, anhaltend niedriger Zinsen sowie Verwahrentgelten weiterhin auf klassische Sparprodukte.

Auch hinsichtlich des Einstiegsalters für private Investitionen betreten Frauen das Parkett der Finanzweltdeutlich später als Männer. Dabei ist es für Frauen besonders wichtig, sich frühzeitig um eine private Altersvorsorge und die finanzielle Absicherung zu bemühen. Der „Gender Pension Gap“ ist neben dem „Gender Pay Gap“ gegenwärtig immer noch bittere Realität und Frauen erhalten aufgrund von niedrigeren Durchschnittslöhnen in der Konsequenz eine geringere gesetzliche Rente als ihre männlichen Kollegen. Auch die Familiengründung sowie die vermehrte Wahl von Teilzeitmodellen oder sozialen Berufen gelten aktuell als externe Faktoren, die ein höheres finanzielles Risiko bergen und bislang weder staatlich noch gesellschaftlich zu Genüge aufgefangen werden. Der Einstieg in den Aktienmarkt und die Pflege eines eigenen Wertpapierdepots können unter Einbezug des Trade-Off zwischen Rentabilität, Risiko und Liquidität finanzielle Risiken dahingehend abfedern.

Klug und langfristig Anlegen tut zudem nicht nur dem Geldbeutel, sondern auch der Gesundheit gut. Geldsorgen wirken sich negativ auf zahlreiche Lebensbereiche aus. Studien belegen mittlerweile einen gerichteten Zusammenhang zwischen finanzieller Sicherheit und dem individuellen Wohlbefinden. Ein Weg zur finanziellen Freiheit führt über diese finanzielle Sicherheit, um den eigenen Lebensstandard auch in der Zukunft halten und bestenfalls noch anheben zu können. Die Regie über die eigenen Finanzen spielt dabei eine maßgebliche Rolle.

Dabei scheinen Frauen dazu geboren zu sein, sinnvoll zu investieren und eine starke Performance sowie hohe Renditen zu erwirtschaften. In der Forschung ist schon lange bekannt, dass Frauen evolutionär bedingt risikoaverser agieren, bestehende Risiken besser einschätzen können und tendenziell langfristig und perspektivisch denken. Anlegerinnen verfolgen scheinbar intuitiv vermehrt ein wertorientiertes Anlageverhalten (Value-Strategie), welches schon Warren Buffet zum Erfolg und Profit verholfen hat.

Während Männer laut einer Ing-Diba-Studie aus dem Jahr 2019 stärker Einzelwerte erwerben, streuen Frauen ihr Risiko breiter und investieren überwiegend in Fonds. Und das durchaus erfolgreich.

„Frauen müssen sich trauen“

Wenn Frauen investieren, dann also meist durchaus erfolgreich und bisweilen gewinnbringender als Männer. Dennoch befinden sich Anlegerinnen deutlich in der Unterzahl, so die Studie von J.P. Morgan. Gründe für die passive Haltung der Befragten fußen dabei zu großen Teilen auf mangelndem Selbstbewusstsein sowie dem hartnäckigen Gedanken, nicht genügend finanzielle Mittel für zukünftige Investitionen zur Verfügung zu haben.

Neben finanzieller Bildung und klarer Kommunikation kann dabei auch professionelle Unterstützung durch Finanz- oder Sparpläne den Eintritt auf die Kapitalmärkte deutlich erleichtern und zur „Entmystifizierung“ des Themas beitragen.

Spezifische Netzwerke oder Online-Finanzportale für Frauen wie herMoney.com, Female Invest oder finanzheldinnen.com, bieten ebenfalls gute Anlaufstellen, um erste Fragen zu beantworten und bestehende Ressentiments zu reduzieren. Doch auch Finanzberaterinnen und zentrale öffentliche Figuren wie Madame Moneypenny, die auf die Belange von Frauen spezialisiert sind, versuchen für das Thema zu sensibilisieren, um Frauen die Türen zur Finanzwelt zu öffnen.

Zwischen Frauenfonds und Fondsfrauen

Frauenförderung geht auch an der Börse. Vor dem Hintergrund einiger Studien, die den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen mit erhöhter Frauenquote in Führungspositionen darlegten, investieren sogenannte „Genderfonds“ in die Gleichstellung der Geschlechter. Kritische Stimmen begegnen solchen Fondsideen jedoch mit Skepsis, schließt ein schlüssig hergeleiteter Zusammenhang noch nicht zwangsläufig auf eine kausale Ursache.

Doch nicht nur im eigenen finanziellen Nahbereich sind Frauen erfolgreich, auch auf der professionellen Seite beweisen Vermögensverwalterinnen ihr Können. Die Vorwürfe mangelnder Diversität im Asset Management und der gesamten Finanzbranche häufen sich. Aktuelle Daten des Citywire Alpha Female Report 2020 wirken ernüchternd und illustrieren das reale Ausmaß der geschlechterspezifischen Schieflage. Während in Deutschland lediglich 6 % und in Luxemburg 11 % der im jeweiligen Land lancierten Fonds von weiblichen Fonds-Managerinnen verwaltet werden, liegt der Anteil in Hong Kong (27 %) und Spanien (22 %) deutlich höher. Auch der globale Gesamtanteil liegt bei 11 % (im Vergleich zum Jahr 2016: 10,3 %). Steigt die Rate in diesem Tempo, liegt die Geschlechtergleichstellung rund 200 Jahre entfernt.

Und obwohl die Vermögensverwaltung vorerst eine Männerdomäne zu bleiben scheint, zeigen sich erste Lichtblicke und ein entscheidender Vorteil: so verzeichnet der Report eine stetige Zunahme von gemischten Teams. Einer aktuellen Studie von Goldman Sachs zufolge performten im Jahr 2020 gemischte oder rein von Frauenhand gemanagte Aktienfonds besser als jene ihrer männlichen Kollegen, zumindest im amerikanischen Raum. Gleichzeitig schließt sich die Lücke zwischen den verwalteten Vermögenswerten von Fondsmanagerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. Klar zurechenbare Leistungsstatistiken helfen darüber hinaus dabei, beruflichen Erfolg von geschlechtsspezifischer Diskriminierung zu bereinigen. So wurde mit Revaia kürzlich Europas größter von einem Frauen-Duo geführter VC-Fonds mit einem Volumen von 250 Millionen Euro aufgelegt.

Ähnlich wie im privaten Finanzumfeld fehlt es auch im professionellen Bereich an Veränderungsgeist, Mentoring und Unterstützungsprogrammen, die Aufstiegschancen mobilisieren und Spitzenpositionen ermöglichen. Das Karrierenetzwerk Fondsfrauen unterstützt daher gezielt Frauen im Investmentbereich und verleiht jährlich den Fondsfrauen Award für besondere Verdienste für Gender Diversity in der Fonds- und Finanzbranche.

Aus einer im September 2021 publizierten „Gender Diversity“-Studie von KPMG lassen sich mehrere zentrale Erkenntnisse ziehen, die ein gemischtes Bild über die aktuelle Situation im Assetmanagement hinsichtlich Diversität und Geschlechtergleichheit zeichnen:

  1. Die Fondsbranche zieht vereinzelte weibliche Bewerber an und die wenigen Berufseinsteigerinnen erklimmen ferner signifikant seltener höhere Hierarchieebenen.
  2. Die führende Rolle übernehmen Frauen jedoch immer noch bei der Organisation der Familie – Elternzeit bleibt trotz Veränderungstendenzen Frauensache.
  3. Positive Entwicklungen zeigen sich jedoch innerhalb der Unternehmensstruktur und Frauen positionieren sich zunehmend in allen Unternehmensbereichen, von Marketing bis IT. Auch der Beförderungsanteil von Frauen lag im Jahr 2020 höher als der ihrer männlichen Kollegen.

Fazit: Selbst ist die Frau!

Frauen agieren sicherheitsorientierter, haben das Risiko mehr im Blick und investieren langfristig und durchaus erfolgreich. Dennoch zögert der Großteil, den Kapitalmarkt zu betreten. Obwohl die Anlagestrategien zwischen Mann und Frau sich scheinbar naturgemäß unterscheiden, existieren keine „typisch“ männlichen oder weiblichen Anlagevehikel oder -formen. Ob nun in einzelne Aktien oder Anleihen, in aktiv gemanagte Fonds oder ETF’s, mit Value- oder Growth- Strategie, auf eigene Faust oder mit professioneller Beratung und festem Sparplan: Lieber Starten als Warten ist hier die Devise. Ein perfekter Moment oder ein „zu früh“ existiert nicht, ebenso wenig wie ein Mindestvermögen oder eine besonders hohe Investitionssumme. Auch auf der beruflichen Ebene sollten Fondsmanagerinnen in Zukunft gleichwertig ihrer männlichen Kollegen die Regel anstatt die Ausnahme bilden. Emanzipation und Gleichberechtigung ist gefragt – auch am Kapitalmarkt.

 

 

17. März 2022

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Autor

Sophia Wengler

Noch während Ihres Bachelor-Studiums in Soziologie fand Sophia über ein Praktikum den Weg zu CURE Intelligence. Seit September 2020 unterstützt Sie das Team als Marketing & Communications Managerin und gehört dort zu dem FONDSTRENDS.LU Redaktionsteam. Parallel absolviert Sie ein Masterstudium der Wirtschaftssoziologie an der Universität Trier.

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