20 Jahre FNG – eine Bestandsaufnahme

Am 25. Januar 2001 fanden sich verschiedene Nachhaltigkeitspioniere der Finanzwirtschaft in den Hallen des ICC in Berlin zusammen, um das FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. zu gründen.

Zu einer Zeit, in der es keine Selbstverständlichkeit war, die Begriffe Nachhaltigkeit und Finanzanlage unmittelbar im selben Satz zu erwähnen. Das Ziel des Vorhabens: Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Anlageentscheidung fest zu integrieren und stärken. Dass aus der Gründung eines Vereins mit lediglich sieben Mitgliedern der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden würde, konnte sicherlich keiner erahnen. Doch 20 Jahre Pionierarbeit, ein aufmerksames Auge fürs Marktgeschehen, ein hoher eigener Anspruch und Optimismus machten es möglich. Mittlerweile ist Nachhaltigkeit aus der Geldanlage nicht mehr wegzudenken. Dass Soziales, Ökologisches und gute Unternehmensführung einen unmittelbaren Einfluss auf die Finanzmärkte haben, zeigten im Laufe der letzten Jahre diverse Korruptions- und Umweltskandale sowie die damit verbundenen Kursverluste. Auch die zunehmenden Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels treten immer mehr in den Fokus der Debatte.

Mittlerweile besteht das FNG aus über 210 Mitgliedern, die verschiedene Aspekte der nachhaltigen Finanzwirtschaft im deutschsprachigen Raum repräsentieren. Zu seinen Mitstreitern zählen Banken, Kapitalanlagegesellschaften, Ratingagenturen, Finanzberater*innen, wissenschaftliche Einrichtungen und Privatpersonen. Das FNG fördert den Dialog und Informationsaustausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und setzt sich so seit seiner Gründung 2001 für verbesserte rechtliche und politische Rahmenbedingungen für nachhaltige Investments ein. Für Anleger ist das FNG eine erste Anlaufstelle bei Fragen rund um ESG in der Geldanlage.

Der steigende regulatorische Druck und die zunehmende Nachfrage bringen auch immer mehr konventionelle institutionelle Anleger, Asset Manager, Banken und Versicherungen dazu, auf Nachhaltigkeit zu setzen. So ist der Anteil nachhaltiger Fonds und Mandate in Deutschland kontinuierlich gewachsen und macht mit EUR 183,5 Mrd. bereits 5,4 Prozent des deutschen Gesamtfondsmarktes aus. Verantwortliche Investments erreichen ein Volumen von EUR 1.6 Billionen. Erfreulich ist, dass dieses Wachstum aller Voraussicht nach weiter anhalten wird und für grünen Schwung sorgt, denn mit einer Wachstumsrate von 37 Prozent wachsen Nachhaltige Geldanlagen schneller als der Gesamtmarkt. Auffällig ist zudem, dass die Vorzüge Nachhaltiger Kapitalanlagen immer mehr Privatinvestoren überzeugen: Der Anteil der privaten Investoren am Fondsmarkt stieg zuletzt von neun auf elf Prozent. Doch gerade in einem Wachstumsmarkt ist es für das FNG wichtiger denn je, auf die Qualitätssicherung nachhaltiger Anlageprodukte zu achten.

Seit 2008 für mehr Transparenz

Anleger*innen brauchen fundierte Informationen, um sowohl nachhaltige Anlageentscheidungen treffen als auch Greenwashing erkennen zu können . Zu diesem Zweck hat das FNG einige Tools zur Qualitätssicherung nachhaltiger Anlageprodukte geschaffen. So verleiht es das Transparenzlogo für nachhaltige Investmentfonds. Hier können sich Stakeholder umfangreiche Informationen über Anlagestrategie, Assetklassen und Nachhaltigkeitsphilosophie der Fondsanbieter einholen. Zudem gibt das FNG seit 2011 die FNG-Nachhaltigkeitsprofile heraus. Die FNG Nachhaltigkeitsprofile präsentieren kompakt und übersichtlich auf zwei Seiten die ESG-Aspekte von Investmentfonds. Zusammengefasst in der FNG-Matrix lassen sich so verschiedene Fondsprodukte miteinander auf Nachhaltigkeitsgesichtspunkte vergleichen. Im Jahr 2015 hat das FNG in einem Multi-Stakeholderprozess das FNG-Siegel für nachhaltige Investmentfonds entwickelt, das sich zu dem SRI-Qualitätsstandard für nachhaltige Investmentfonds im deutschsprachigen Markt entwickelt hat.

Interview mit Staatssekretär Dr. Jörg Kukies zu 20 Jahren FNG

Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen

Seit 2005 bietet das FNG mit dem jährlich erscheinenden Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen: Deutschland, Österreich und die Schweiz eine viel zitierte Analyse der Marktentwicklung Nachhaltiger Geldanlagen. Als Referenzwerk für Finanzexperten, Politiker, Wissenschaftler und Journalisten ist der Marktbericht nicht mehr wegzudenken. Außerdem setzt der Marktbericht Standards und Definitionen und greift aktuelle Trends und Debatten auf. So wurde erstmalig 2018 in Vorausschau auf die kommende EU-Regulatorik die Unterscheidung zwischen Nachhaltigen Geldanlagen, bei denen die ESG-Kriterien auf Produktebene verankert sind, und verantwortlichen Investments, bei denen die ESG-Kriterien auf institutioneller Ebene festgelegt werden, eingebracht.

Die Auswertungen zum Marktbericht 2020 zeigen wesentliche Trends auf, die den Sustainable Finance-Markt begleiten. Das Wachstum nachhaltiger Fonds und Mandate seit dem ersten Marktbericht 2005 ist ohnegleichen, so hat sich das Volumen des nachhaltigen Fondsmarktes in den letzten zehn Jahren mehr als ver-14-facht! Zudem beobachten wir, dass immer mehr Asset Owner und Asset Manager Nachhaltigkeitskriterien auf institutioneller Ebene verankern, indem sie sich internationalen Normen und Prinzipien verpflichten oder eigene Nachhaltigkeits-Policies festlegen. ESG-Integration ist im Bereich der verantwortlichen Investments die gängigste Anlagestrategie, die bei 95 Prozent der verantwortlich verwalteten Fonds angewandt wird – und somit mittlerweile als Kern verantwortlicher Investments zu bezeichnen ist.

Aufschluss darüber, wie stark die regulatorischen Vorhaben den nachhaltigen Anlagemarkt weiter anheizen, wird der Marktbericht 2021 geben, der am 7. Juni 2021 im Rahmen eines FNG-Dialogs veröffentlicht wird. Fest steht schon jetzt, dass auch die kolossalen Auswirkungen der Corona-Pandemie dem Wachstum des Nachhaltigen Anlagemarktes keinen Abbruch getan haben: So konnten nachhaltige Fondsprodukte vergangenes Jahr weniger Verluste verzeichnen als ihre konventionellen Gegenstücke und auch das Vertrauen der Investor*innen in nachhaltige Produkte blieb stabil.

Gestaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen

Der im März 2018 erschienene EU-Aktionsplan Finanzierung nachhaltigen Wachstums und die daraus resultierenden Regulierungen haben zum enormen Marktwachstum beigetragen. Einige der darin enthaltenen Maßnahmen hatte das FNG bereits vor rund zehn Jahren in einem Positionspapier gefordert. Beispielsweise, dass die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken zu der Treuhandpflicht für alle Finanzmarktteilnehmer gehört. Auch betonte das FNG schon früh, dass es unerlässlich ist, Privatkund*innen aktiv auf die ESG-Aspekte ihrer Anlagemöglichkeiten anzusprechen und die Nachhaltigkeitspräferenzen der Kund*innen entsprechend in der Anlageberatung zu erfragen. Auch forderte das FNG, dass eine Berichterstattung von Unternehmen in puncto Nachhaltigkeitsrisiken erfolgen muss, damit Anleger*innen und Asset Manager auf vergleichbare und standardisierte Informationen zurückgreifen können. Umso erfreulicher ist es, dass diese und mehr Forderungen des FNG in verschiedenen EU-Gesetzespaketen, wie der EU-Offenlegungsverordnung und der Ergänzung von MiFID II um Nachhaltigkeit, berücksichtigt werden. Auch im Rahmen der im Juni erwarteten Erneuerten Sustainable Finance-Strategie der EU wird das FNG sich aktiv einbringen – um Nachhaltigkeit fest im Finanzsystem zu verankern.

Auch auf deutscher und österreichischer Bundesebene nimmt das Thema nachhaltige Finanzen eine zunehmende Schlüsselrolle ein: So wurden in beiden Ländern Sustainable Finance-Beiräte gegründet, die sich zum Ziel gesetzt haben, Nachhaltige Geldanlagen durch eine nationale Strategie zu fördern und den eigenen Standort auszubauen. FNG-Geschäftsführerin Angela McClellan ist Mitglied im Sustainable Finance-Beirat der Bundesregierung, der in diesen Tagen seinen Abschlussbericht mit Empfehlungen an die Bundesregierung herausgeben wird. Doch um den Markt nachhaltiger und verantwortlicher Investments auszubauen, braucht es einen langen Atem und genügend Ausdauer. Als Fachverband, der diesen Prozess seit nunmehr 20 Jahren begleitet, ist es unser Anliegen, die politischen Rahmenbedingungen mitzugestalten.

Weiterbildung Nachhaltige Geldanlagen

Schon seit 2015 bietet das FNG die Weiterbildung Nachhaltige Geldanlagen für den deutschsprachigen Raum in Kooperation mit der ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik) an. Entwickelt wurde die Weiterbildung im Rahmen eines europaweiten Konsortiums mit Fördermitteln der Europäischen Kommission. Bereits jetzt ist eine erhöhte Nachfrage nach unserem Angebot spürbar, zumal die Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen mit der Ergänzung von MiFID II zur Pflicht wird und Finanzberater*innen dementsprechende Sachkundenachweise liefern müssen. Die Weiterbildung ist als Einstieg in das Thema Nachhaltige Geldanlagen konzipiert und richtet sich an Finanzberater*innen und Vermögensverwalter*innen im deutschsprachigen Raum. Abgeschlossen wird der Kurs mit einem Zertifikat. Der Kurs ist von den österreichischen Financial Planners zertifiziert und entspricht 12 CPD-Fortbildungspunkten (Continuing Professional Development-Credits). Aufbauend auf den Einführungskurs folgt ein Vertiefungskurs. Die Weiterbildung wird durch ein Webinar bzw. eine Präsenzveranstaltung abgeschlossen. Die Fortbildung wird fortlaufend mit aktuellen Marktzahlen und regulatorischen Entwicklungen aktualisiert.

Ausblick – wie geht es weiter?

Auf dem bisherigen Erfolg wird sich das FNG nicht ausruhen. Gerade jetzt, vor dem Hintergrund des sich rasant entwickelnden regulatorischen Rahmens und Marktwachstums, wird sich das FNG – gemeinsam mit seinen Mitgliedern und Forumspartnern – für Qualität, Transparenz und Wachstum Nachhaltiger Geldanlagen einsetzen. Bei der steigenden Anzahl von ESG-Produkten kann das FNG durch die gebündelte Expertise seiner Mitglieder für eine zielgerichtete Einordnung und Qualität auf dem Markt sorgen. Zudem beobachten wir voller Spannung weitere Entwicklungen und Trends. Besonders die Wirkungsmessung verschiedener nachhaltiger Anlagestrategien und Produkte ist eine Fragestellung, die die Agenden der Vermögensverwalter, Banken, Verbände und Ratingagenturen stark beschäftigt. Auch das FNG nimmt sich mit verschiedenen Stakeholdern diesem Thema im Rahmen einer neu gegründeten Arbeitsgruppe an.

 

11. Februar 2021

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Autor

Angela McClellan

Angela McClellan ist seit Juni 2018 Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen e.V. für Deutschland, Österreich und die Schweiz (FNG). Seit 2006 war sie bei Transparency International in den Bereichen Corporate Social Responsibility und Anti-Korruption in der Wirtschaft sowie Anti-Geldwäsche und Integrität im Bankensektor tätig. Dabei verantwortete sie die Beratung des internationalen Netzwerkes, Strategieentwicklung und Repräsentation in internationalen Foren (u.a. UN Global Compact, G20, World Economic Forum). Zudem ist sie Mitglied im Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung. Zuvor arbeitete sie, auch bereits während ihres Studiums, als Projektassistentin für InWEnt Capacity Building International (GIZ). Frau McClellan hat ein Diplom in Politikwissenschaften der Freien Universität Berlin und ein Executive Master of Business Administration der European School for Management and Technology.

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