„Eine Anlage-strategie sollte auf Sicht von 5 Jahren funktionieren“

Das Depot nicht nur über Anlageklassen, sondern auch über Anlagestrategien streuen, ist ein Grundpfeiler in der Strategie der in Köln ansässigen Anlageberatung Anytime Invest GmbH. Was das für die Performance ihrer Portfolios, besonders innerhalb der letzten zwei Jahre bedeutet, und wie sie zudem mittels der Strategie der Kursglättung die Ungewissheiten vieler Anleger entschärfen möchten, erklärt Andreas Meyer, geschäftlicher Gesellschafter bei der Anytime Invest GmbH, exklusiv in einem Interview auf FONDSTRENDS.LU.

FONDSTRENDS.LU: Die Anytime Invest GmbH wurde im November 2020 gegründet. Bitte erläutern Sie unseren Lesern einmal genauer, wann kam die Entscheidung – nach mehrjähriger Erfahrung in der Vermögensverwaltung – das Zepter nun selbst in die Hand zu nehmen und als Geschäftsführer Ihrer eigenen Anlageberatung zu agieren?

Andreas Meyer: Mir war aufgefallen, dass viele Depots nur auf den ersten Blick diversifiziert sind. Die Durchschau zeigte meist eine Mischung aus Aktien, Anleihen und Gold. Diese Streuung über verschiedene Anlageklassen ist zweifelsohne sinnvoll und bewährt. Sie schützt aber nicht zu allen Zeiten vor Verlusten, wie wir eindrucksvoll im letzten Jahr gesehen haben, als die Kurse von Aktien und Anleihen gleichzeitig nach unten gingen. Wir gehen mit unserer Anytime-Strategie einen Schritt weiter, indem wir unsere Depots nicht nur über Anlageklassen, sondern auch über Anlagestrategien streuen. Damit bilden wir Risiko-Paare, die sich gegenseitig kontern, also zu unterschiedlichen Zeiten ihre Stärken und Schwächen ausspielen. Ein Beispiel: Wir kontern einen Weltaktien-ETF mit einer Trendfolge-Strategie, die auch in Abwärtsphasen profitieren kann. Dieses „duale Investieren“ ist die logische Weiterentwicklung der einfachen Diversifikation, in der nur Anlageklassen betrachtet werden.

FONDSTRENDS.LU: Wer mehr über Anytime Invest herausfinden möchte, stolpert im Zuge der Anlagestrategie immer wieder über den Begriff der Diversifikation. Gerade in Zeiten unruhiger Aktienmärkte, heißt es, können sich breit gestreute Portfolios besonders gut behaupten. Wie performten die Anytime-Portfolios innerhalb der letzten zwei Jahre?

Andreas Meyer: Wir sind sehr zufrieden mit der Wertentwicklung. Das Jahr 2022 war für viele Anleger schwer, weil alle Anlageklassen unter Druck gerieten. Eine einfache Streuung über Anlageklassen bot nur wenig Schutz in einem Umfeld steigender Zinsen. Unsere Portfolios sind deutlich weniger zinssensibel aufgestellt. Sie können auch dann Stabilität bieten, wenn alle Anlageklassen gleichzeitig leiden. Unser defensives „Gewinn-Retter“-Depot hat im Jahr 2022 ein Plus von 2,3 % bei einer maximalen Wertminderung von nur 3,5 % erzielt. Das funktioniert systematisch und völlig prognosefrei, indem wir den klassischen Anlagen auch marktneutrale und marktgegenläufige Bausteine beimischen. Unsere Kunden wissen das inzwischen sehr zu schätzen. Gerade im deutschen Markt ist es aber noch ein langer Weg, diesen Ansatz zu verbreiten. Das sehen wir schon daran, dass einige der Fonds, die wir in unseren Portfolios einsetzen bis dato keine Vertriebszulassung in Deutschland hatten und wir diese erst anfragen mussten.

FONDSTRENDS.LU: Der AIQUITY-Fonds folgt einem stabilen und sicherheitsorientierten Ansatz – sprich, er ist besonders geeignet für jene Anleger, die ein kalkulierbares Risiko bevorzugen. Das trifft in der Regel auf Investments mit langen Anlagezeiträumen zu. Dennoch sprechen Sie mit Ihrer Strategie auch kürzere Anlagezeiträume für den sicherheitsorientierten Anleger an. Bitte erläutern Sie, inwiefern Ihr Fonds diesen Ansprüchen gerecht wird?

Andreas Meyer: Sicherheitsorientierte Ansätze sollten nicht nur das Risiko von Wertminderungen im Blick haben, sondern auch das Verfügbarkeits-Risiko, also wie lange es dauert, bis Wertminderungen wieder ausgeglichen sind. Vielen Anlegern ist das Risiko einer ungesicherten Aktienanlage in beiden Dimensionen zu hoch: aus der Vergangenheit wissen wir, dass marktbreite Aktieninvestments -70 % und mehr an Wertminderung erlitten haben und es schlimmstenfalls 15-20 Jahre dauern konnte diese Verluste wieder aufzuholen. Weil es unmöglich ist, die zukünftige Marktentwicklung vorherzusehen bekommt das Thema Markt-Timing gerade bei Aktien dann eine enorme Bedeutung. Ist gerade ein guter oder schlechter Zeitpunkt für die Anlage? Diese Ungewissheit möchten wir für unsere Anleger entschärfen, indem wir eine Strategie der Kursglättung verfolgen, um dadurch sowohl die Fallhöhe zu verringern als auch die Anlagedauer bis zur Werterholung zu verkürzen. So erklärt sich dann auch unser Firmenname: Anytime Invest.

FONDSTRENDS.LU: Mit Blick auf Ihr Portfolio, in welchem Sektor erwarten Sie in den nächsten Jahren die größten Entwicklungen? Was bleibt nur ein kurzzeitiger Hype, welcher Trend wird sich nachhaltig integrieren?

Andreas Meyer: (lacht) Das weiß ich wirklich nicht! Meine Meinung ist für unseren regelbasierten Investmentansatz auch unerheblich. Darüber bin ich froh, denn ich lag rückblickend mit meiner Meinung sicherlich genauso häufig richtig wie falsch. Viel zuverlässiger als Meinungen funktionieren Muster, allen voran Preis-Trends und Trendbrüche. Es braucht dann auch keine Glaskugel, weil man automatisch von den großen Trends profitiert – egal in welche Richtung sie gehen. Wir nutzen solche Trendmuster auf verschiedene Weise. Gepaart mit einem rigorosen Risikomanagement (Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen) wird daraus eine sehr robuste Anlagestrategie. Wir können uns also entspannt zurücklehnen und beobachten, ob ein Hype nur ein Strohfeuer oder ein nachhaltiger Trend ist.

FONDSTRENDS.LU: Sie haben letztes Jahr an den Future Fundstars III teilgenommen. Ein Wettbewerb, bei dem die Finanzplattform Fundview gemeinsam mit Netfonds und azemos die Investment-Stars der Zukunft suchen. In einem Live-Pitch müssen die jeweiligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer Ihre Strategien vorstellen und so die Jury überzeugen, um schließlich in die nächste Runde zu gelangen. Was konnten Sie aus dieser Erfahrung mitnehmen? Ist in den nächsten Jahren eine erneute Teilnahme geplant?

Andreas Meyer: Wir wollten an dem Wettbewerb teilnehmen, um zu einem frühen Zeitpunkt das Wasser zu testen. Auch wenn wir nicht gewonnen haben, konnten wir tatsächlich einiges lernen. Zum Beispiel, wie wichtig es ist, eine einprägsame Story zu erzählen. Das darf man nicht unterschätzen. Noch wichtiger aber ist es letztlich, eine Story nicht nur zu erzählen, sondern diese danach auch mit Leben zu füllen. Darauf liegt unser Hauptfokus.

FONDSTRENDS.LU: Immer mehr junge Menschen fangen an, sich mit Ihren eigenen Finanzen und dem Thema Geldanlage auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt bekräftigt durch die Inflation und den sehr skeptischen Blick auf das Thema Rente und die dahingehende Sorge vor einer ungewissen finanziellen Zukunft. Was würden Sie jungen Anlegerinnen und Anlegern mit auf den Weg geben, die sich nun aktiv um ihre Geldanlage kümmern möchten? Welche Ratschläge & Tipps haben Sie?

Andreas Meyer:

  • Structure follows strategy: Macht euch klar, warum ihr euer Geld anlegen wollt, und schreibt euch einen Plan, bevor ihr Produkte kauft.
  • Zögert danach nicht loszulegen. Lieber früh ein paar Fehler machen und Lehrgeld zahlen, als gar nichts zu machen. Zeit ist der wichtigste Treibstoff für Rendite.
  • Sucht euch einen versierten Berater, den ihr fair für seine Arbeit bezahlt. Kostenlose Beratung ist meist im Ergebnis zu teuer bezahlt.

FONDSTRENDS.LU: Bleiben wir beim jungen Publikum. Viele junge Anleger – speziell die 18-35-Jährigen, legen ihr Geld bevorzugt in ETFs an. Glauben Sie, diese Zielgruppe mit aktivem Management für sich gewinnen zu können?

Andreas Meyer: Ich glaube, das passiert mit der Zeit von ganz allein. Ich war vor 10 Jahren auch davon überzeugt, dass rein passives Investieren mit ETFs der richtige Weg sei. Es hat bei mir dann eine Weile gedauert, um zu erkennen, dass passives und aktives Investieren sich wunderbar ergänzen können. Was macht man beispielsweise, wenn man denkt in 3-5 Jahren Eigenkapital für einen Hauskauf zu brauchen? Alles in ungesicherte ETFs? Eine ganzheitliche Anlagestrategie muss sich an die wandelnde Lebensrealität – und die jeweilige psychische Risikotragfähigkeit – anpassen können. Dabei kann aktives Management helfen. Einen gewissen Erfahrungsprozess braucht es einfach und ich weiß es zu schätzen mit Anlegern zu arbeiten, die schon ihre ersten Erfahrungen gemacht haben.

FONDSTRENDS.LU: Zum Abschluss eine persönlichere Frage: Gehen wir ein paar Jahre weiter – wohin soll Ihre Reise mit Anytime Invest gehen? Was sind zudem Ihre persönlichen Ziele für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre?

Andreas Meyer: Wir haben die Anytime Invest gegründet, um mit zeitlos robusten Anlagelösungen Menschen das Investieren leichter zu machen. Dieses Versprechen kann man nicht in 1-2 Jahren unter Beweis stellen, dafür braucht es 1-2 Dekaden. Damit ist unsere Entwicklungsrichtung klar: wir möchten unseren Ansatz bekannter machen, Marktanteile gewinnen und dabei unabhängig bleiben. So können wir sicherstellen, dass unser Ansatz nicht verwässert wird. Mein persönlicher Anspruch dabei ist es, immer so offen und ehrlich zu sein, wie ich es meiner Familie gegenüber bin, und den Spaß an der Sache nie aus dem Blick zu verlieren.

FONDSTRENDS.LU: Herr Meyer, wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Interview und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute!

 

07. Juni 2023

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Autor

Andreas Meyer

Andreas Meyer hat Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln studiert und schaut auf 10 Jahre einschlägige Berufserfahrung zurück, in denen er sowohl Privatkunden als auch institutionelle Anleger beraten hat. Als leitender Portfoliomanager einer Kölner Vermögensverwaltung hat er mehrere Fonds mitaufgelegt und beraten, bevor er sich entschied, die Anytime Invest GmbH ins Leben zu rufen und als geschäftsführender Gesellschafter zu leiten.

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