Finfluencer – Finanzberatung auf Social Media

In den letzten Jahren hat sich die Art und Weise, wie Menschen finanzielle Informationen konsumieren und Finanzentscheidungen treffen, drastisch verändert. Diese Veränderung geht Hand in Hand mit dem Aufstieg einer neuen Generation von Influencern, die sich gezielt auf das Thema Finanzen fokussieren – die „Finfluencer“. Durch die geschickte Nutzung der sozialen Medien sprechen diese Finanzexperten ein breites Publikum an und bieten finanzielle Ratschläge, Anlagetipps und Einblicke in die Welt der Wirtschaft. Der Aufstieg der Finfluencer ist nicht nur ein bemerkenswertes Phänomen in der Online-Kultur, sondern wirft auch bedeutende Fragen auf, insbesondere hinsichtlich ihres Einflusses auf die Entscheidungsfindung der Menschen.

In unsicheren wirtschaftlichen Zeiten suchen Menschen verstärkt finanzielle Ratschläge. Dies wurde während der turbulenten Corona-Pandemie erneut deutlich sichtbar. Besonders junge Menschen beklagen, dass ihnen in der Schule nicht ausreichend wirtschaftliche Kenntnisse vermittelt werden. Die Sorge vor finanzieller Unsicherheit im Alter und fehlender Vorsorge verstärkt bei einer wachsenden Anzahl junger Menschen das Bewusstsein für die Notwendigkeit zu handeln. Als Reaktion auf diese Herausforderungen wenden sie sich vermehrt den sozialen Medien zu, um nach Informationen zu suchen, und stoßen dabei auf eine Gruppe von Influencern – die sogenannten Finanz-Influencer, oder kurz gesagt: Finfluencer.

Wer sind Finfluencer?

Der Begriff „Finfluencer“ setzt sich aus den Worten „Finance“ und „Influencer“ zusammen und bezeichnet Personen, die sich in den sozialen Medien mit Finanzthemen auseinandersetzen und dabei eine große Anhängerschaft, auch als Follower bekannt, erreichen. Diese Personen gehören in der Regel der Generation Z und den jungen Millennials an und teilen Ratschläge sowie ihre persönlichen Erfahrungen zu finanziellen Angelegenheiten. Dies vermitteln sie entweder in Form von Videos oder schriftlichen Beiträgen, in einer leicht verständlichen und unterhaltsamen Art und Weise, die auf die Bedürfnisse junger Menschen zugeschnitten sind. Finfluencer nutzen dabei diverse Plattformen wie Instagram, YouTube, TikTok und Podcasts, um ihr Wissen zu Themen wie Geldanlage, Budgetierung, Schuldenabbau, Altersvorsorge und andere finanzielle Aspekte des Lebens zu teilen. Finfluencer können dabei Finanzberater, Investoren, Buchautoren oder einfach nur Menschen sein, die in der Lage sind, komplexe, finanzielle Konzepte auf verständliche und ansprechende Weise zu vermitteln.

Die Evolution der Finanzberatung

Traditionell wurde die Finanzberatung von Banken, Finanzberatern und Investmentfirmen dominiert. Sie boten individuelle Beratung und Expertenwissen in einer oft als komplex empfundenen Finanzwelt. Kunden suchten persönliche Beratung in Bankfilialen oder von professionellen Beratern auf, um Ratschläge zu Geldanlagen, Krediten, Versicherungen und Altersvorsorge zu erhalten. Dieses Modell hatte jedoch seine Einschränkungen, da es oft teuer und zeitaufwändig war und nicht allen Menschen den gleichen Zugang zu Finanzberatung ermöglichte.

Doch mit der Verbreitung des Internets veränderte sich die Finanzberatung radikal. Kunden können ihre Finanzen seitdem bequem von zu Hause aus verwalten und einfach auf verschiedene Finanzinstrumente zugreifen. Der wahre Wandel begann jedoch mit dem Aufkommen von sozialen Medien, genauer gesagt: der Finfluencer. Diese Influencer nutzen ihre Social-Media-Plattformen, um komplexe Finanzthemen auf verständliche und ansprechende Weise zu präsentieren und bringen finanzielle Bildung zu Menschen, die zuvor möglicherweise von der Finanzwelt abgeschreckt wurden.

Einfluss auf Finanzentscheidungen

Statistiken zeigen, dass die Bedeutung von Finfluencern unaufhaltsam steigt. Die Anzahl der Follower und Interaktionsraten auf ihren Social-Media-Plattformen bezeugen ihre wachsende Reichweite und ihren Einfluss. So erreichen die größten Accounts im deutschsprachigen Raum über 100.000 Followerinnen und Follower. Die Bandbreite reicht dabei von prominenten Unternehmerpersönlichkeiten über Special-Interest-Formate bis hin zu zahlreichen Micro-Finfluencern. Zu den erfolgreichen seriösen Kanälen und Finanz-Influencern gehören zum Beispiel Finanzfluss, Finanztip oder Madame Moneypenny, die komplexe Themen wie Aktienhandel, Depots und Altersvorsorge verständlich und zugänglich aufarbeiten.

Influencer sind nicht nur Informationsquelle, sondern haben darüber hinaus auch Einfluss auf Investment-Entscheidungen junger Menschen. Und Zahlen belegen dies: Laut Angaben des Deutschen Aktieninstituts stieg die Zahl der jungen Aktionäre im Alter zwischen 14 und 29 Jahren von 905.000 im Jahr 2017 auf 2,1 Millionen im Jahr 2022. Diese Zunahme des Interesses an Aktien wird zum Teil auf den Einfluss von Finfluencern zurückgeführt, die über die Chancen und Risiken von Investitionen informieren und ihre persönlichen Erfahrungen teilen.

 

Eine weitere Studie der Fachhochschule St. Pölten ergab, dass fast die Hälfte der Befragten bereits einmal einer Empfehlung eines Finfluencers gefolgt ist und daraufhin investiert hat. Diese Zahlen verdeutlichen die starke Verbindung zwischen Finfluencern und ihren Followern in Bezug auf finanzielle Bildung und Investment-Entscheidungen.

Es ist erwähnenswert, dass nicht alle Finfluencer eine formelle Finanzausbildung besitzen. Dennoch scheint ihre Fähigkeit, komplexe Finanzthemen verständlich zu vermitteln und eine persönliche Bindung zu ihren Followern aufzubauen, eine entscheidende Rolle bei der Beeinflussung finanzieller Entscheidungen zu spielen. Jedoch sollten sowohl Finfluencer als auch ihre Follower immer kritisch und verantwortungsbewusst mit Finanzinformationen umgehen und sich bewusst sein, dass persönliche Erfahrungen allein möglicherweise nicht ausreichen, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Eine ausgewogene Kombination aus Bildung, Recherche und professioneller Beratung bleibt entscheidend für den langfristigen finanziellen Erfolg.

Vorsicht vor Manipulation

Zweifellos gibt es unter den Finfluencern viele schwarze Schafe. Selbsternannte Finanzexperten, die Anleger mit schmackhaften Angeboten und überdurchschnittlicher Rendite, ohne Risiko und außergewöhnlichem Entwicklungspotenzial locken, sind kein neues Phänomen. Diese hat es schon immer gegeben. In den sozialen Medien ist die Hemmschwelle allerdings besonders niedrig. Nicht alle von ihnen haben formale Qualifikationen im Finanzbereich, was Fragen zur Seriosität aufwirft. Es ist wichtig, dass Finfluencer ihre Erfahrungen und Qualifikationen transparent darlegen und klare Informationen darüber liefern, welche Art von Ratschlägen sie geben können. Misstrauisch sollten Nutzer jedoch werden, wenn konkrete Aktien als Geheimtipp beworben oder bestimmte Produkte ohne jede Kritik empfohlen werden. In jedem Fall gilt: Nutzer sollten die Qualifikationen prüfen und zusätzlich auf das eigene Bauchgefühl hören.

Fazit

Die Welt der Finanzberatung hat sich mit dem Aufstieg der Finfluencer grundlegend verändert. Influencer haben eine einzigartige Möglichkeit geschaffen, finanzielle Bildung und Beratung für jeden zugänglich zu machen. Ihr Einfluss auf Social Media ist beachtlich, und sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Zukunft der Finanzberatung.

Inzwischen erkennen immer mehr Unternehmen aus dem Finanzbereich die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Finfluencern. Durch solche Kooperationen wird die Reichweite der Influencer mit echtem Expertenwissen gebündelt, das auf verständliche Weise vermittelt wird. Dies stärkt die Glaubwürdigkeit und Seriosität der Finanzratschläge und trägt maßgeblich dazu bei, dass Nutzer den Finfluencern mit mehr Vertrauen gegenüberstehen.

Dennoch sollten die Follower stets kritisch und verantwortungsbewusst mit den Ratschlägen der Finfluencer umgehen. In einer Zeit, in der finanzielle Bildung immer wichtiger wird, können Finfluencer als wertvolle Quelle dienen, aber sie sollten nicht die einzige Informationsquelle sein. Die Verantwortung liegt letztendlich bei jedem Einzelnen, seine finanziellen Entscheidungen sorgfältig zu treffen und zu überdenken.

 

11. Oktober 2023

One thought on “Finfluencer – Finanzberatung auf Social Media”

  1. Luc sagt:

    Sehr informativer Artikel! Der Einfluss von Finfluencer sollte vor allem in der doch recht jungen Zielgruppe keinesfalls unterschätzt und durchaus kritisch angesehen werden, auch wenn die Motivation eine positive ist.

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Autor

Samantha Kohll

Samantha Kohll hat ein Studium im Fach International Business absolviert. Nach diesem war sie zwei Jahre als Marketingleitung in einem Industrieunternehmen tätig und fungiert seit 2023 bei CURE als Manager Online Marketing & Communications. Sie steuert das CURE-Eigenmarketing und wirkt bei Kundenprojekten mit.

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