Staatsanleihen feiern 2023 ein Comeback

2022 war ein von Zäsuren geprägtes Jahr, dessen exogene Schocks auch an den Finanzmärkten deutliche Spuren hinterlassen haben: Steigende Renditen und höhere Volatilität waren ein Joch für alle Assetklassen, vor allem aber die Anleihenmärkte verzeichneten einen Kurseinbruch historischen Ausmaßes. Warum nach diesem beispiellosen Crash gerade Anleihen für das vorausliegende Jahr bessere Ertragsperspektiven als Aktien bieten, erörtert Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt beim Asset Manager BANTLEON in Zürich, im Auftakt-Beitrag zur „Bond-Week“, der Themenwoche zu Rentenfonds und Anleihen der Axxion S.A. 

Kapitalmarktjahr 2022: Paradise Lost

Für Anleger ist das zurückliegende Jahr nicht weniger als die Vertreibung aus dem Paradies gewesen. Die deflationäre Negativ- beziehungsweise Niedrigzinsphase endete jäh und mit ihr eine jahrelange Liquiditätsschwemme. Der Grund dafür war die durch verschiedene Faktoren angeschobene Inflation. Lieferkettenüberdehnung und Energiepreisschock –, um nur zwei Faktoren zu nennen – mögen zwar Sonderfälle sein und einen baldigen Inflationsgipfel nahelegen. Doch wird die Inflation in Europa nicht wieder auf das gewohnte Komfortniveau zwischen 0,00% und 2,00% der vergangenen zehn Jahre zurückkehren. Das hat Folgen, sowohl für das makroökonomische Umfeld als auch für die Finanzmärkte, wie sich am Beispiel festverzinslicher Wertpapiere zeigt.

Der Zinsschock und seine Folgen

Der historische Einbruch der Anleihenmärkte hat dabei zwei Wurzeln. Zum einen fielen Coupons im Negativzinsumfeld als Kompensator gegenüber Kursverlusten aus, zum anderen haben die Notenbanken die Inflationsgefahr lange unterschätzt und mit den rasch angehobenen Leitzinsen einen Zinsschock hervorgerufen. Nun aber kündigt sich nicht nur ein Inflationsrückgang, sondern auch eine namhafte Konjunkturflaute an. Die wirtschaftliche Entwicklung dürfte in Europa und den USA bis weit ins Jahr 2023 steil nach unten gerichtet sein. Der Zins- und Kostenschock, dem sich die Unternehmen gegenübersehen, belastet die Investitionsnachfrage. Gleichzeitig dämpft die immer noch hohe Inflation den Konsum. Ein Blick auf die aktuellen Auftragseinbrüche an den Immobilienmärkten in den USA und Deutschland lässt bereits erahnen, welches Ausmaß der Zinsschock hinterlassen wird. Unter diesem Eindruck werden die Notenbanken ihren Straffungszyklus im Frühjahr 2023 beenden. Von einem soft landing der Weltwirtschaft auszugehen, für die Eurozone nur eine milde Rezession und in den USA gar leichtes Wachstum zu prognostizieren, heißt, die Konsequenzen dieses Zinsschocks zu unterschätzen.

Staatsanleihen: Phoenix aus der Asche

Wer also zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit Risiko-Assets liebäugelt, der sei auf der Hut. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Rezession werden die Aktienmärkte voraussichtlich erst Ende 2023 ihren Tiefpunkt erreichen, zumal dieser scharfe Abschwung noch nicht in den Analystenschätzungen zu den Unternehmensgewinnen berücksichtigt ist. In Anbetracht dessen dürften die Aktienkurse in diesem Jahr noch um 20% bis 30% nach unten korrigieren. Die Renditen von Staatsanleihen dagegen sollten dank des rezessiven Umfelds weiter nach unten drehen. So dürften 10-jährige US-Treasuries gegen Ende des Jahres bei 2,50% rentieren, 10-jährige Bundesanleihen hingegen bei 1,25% – im Zusammenspiel von Kursgewinnen und Couponerträgen ist somit durchaus eine Performance im zweistelligen Prozentbereich zu erwarten. Hochqualitative Staatsanleihen sind damit im Kapitalmarktjahr 2023 wieder ein Hoffnungsträger für ordentliche Gewinne.

 

30. Januar 2023

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Disclaimer:

Dieser Beitrag spiegelt die individuelle Meinung des Verfassers zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider. Diese kann von den Ansichten der Axxion S.A. abweichen. Der Beitrag stellt keine Aufforderung zum Kauf von Fondsanteilen dar. Bitte beachten Sie vor einer Investmententscheidung die aktuellen Verkaufsunterlagen unter www.axxion.de.

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Autor

Dr. Daniel Hartmann

Dr. Daniel Hartmann ist Chefvolkswirt beim Asset Manager BANTLEON. Die Gesellschaft mit Standorten in Zürich, München und Hannover ist auf konjunkturbasiertes Asset Management spezialisiert. Der promovierte Ökonom stieß 2005 als Analyst Economics zum Unternehmen, 2017 erfolgte die Ernennung zum Chefvolkswirt. Bei BANTLEON verantwortet Daniel Hartmann die Finanzmarktprognosen sowie die globalen Konjunktur- und Geldpolitikanalysen.

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