„Don`t lose - Was man nicht verliert muss man auch nicht wieder aufholen“

“Wo andere nur Rendite versprechen, übernehmen wir Verantwortung” – diesen Anspruch verfolgt die seit dem Jahr 2015 in München ansässige, bankenunabhängige Investmentboutique Selection Asset Management GmbH und realisiert mit dem gezielten Fokus auf Werterhalt, konstante Performance, geringe Draw-Downs und Volatilität im Rahmen einer umfassenden Nachhaltigkeitsphilosophie innovative Anlagestrategien und individuelle Wünsche nach “Nachhaltigen Geldanlagen“. FondsTrends sprach mit den Geschäftsführern Jörg Scholl und Claus Weber über Chancen und Risiken im aktuellen Niedrigzinsbereich, dem umfassenden Repertoire an Instrumenten hinsichtlich eines optimalen und aktiven Risiko-Managements sowie über die Gründe, die Nachhaltigkeit und einen erfolgreichen Vermögensaufbau unauflösbar verbinden.

 

FondsTrends: Bereits seit 2003 managen Sie als eingespieltes Team den Publikumsfonds Selection Rendite Plus (SRP) sowie den Rentenfonds „Selection Global Convertibles“, seit 2015 unabhängig in eigens geführter Fonds-Boutique. Mittlerweile zählt insbesondere der SRP zu den derzeit erfolgreichsten und von Scope als auch Morningstar hoch dotierten, ausgewogenen Mischfonds und wurde zusätzlich kürzlich erneut mit dem FNG-Siegel 2021 für nachhaltige Geldanlagen ausgezeichnet.
Herr Scholl, Herr Weber, bitte schildern Sie unseren Lesern kurz die Philosophie von Selection AM und den Ansatz ihrer Fonds.

Jörg Scholl: Die Selection Asset Management GmbH ist eine inhabergeführte, unabhängige und von der BaFin zugelassene Investmentboutique, spezialisiert auf Fondsmanagement, individuelle Anlagekonzepte, Absolute Return-Ansätze und Wandelanleihen. Wir, mein Geschäftspartner Claus Weber und ich, sind ein eingespieltes Fondsmanager-Team mit langfristig nachweisbarem Track-Rekord und derzeit 281 Mio. EUR AuM (Assets under Management), davon ca. 160 Mio. in Publikumsfonds. Unser Flaggschiff ist der nachhaltige Mischfonds Selection Rendite Plus und als zweites wichtiges Standbein der Wandelanleihefonds Selection Global Convertibles, der ebenfalls mit dem FNG-Siegel 2021 ausgezeichnet wurde. Wir befassen uns seit mehr als 20 Jahren mit unterschiedlichen Anlagestrategien und –produkten, um institutionelles, privates sowie Stiftungs-Vermögen ethisch-nachhaltig zu investieren. Umgesetzt wird dies im Rahmen von Spezial- und Publikumsfonds oder als individuelle Vermögensverwaltung. Für uns ist Kapitalerhalt auf Basis von nachhaltigen Portfolios kein Widerspruch, das beweisen unsere beiden Publikumsfonds, die erneut mit dem FNG-Siegel 2021 und weiteren Bestnoten in verschiedenen Rankings ausgezeichnet wurden. Wir ermöglichen so unseren Anlegern den Zugang zu attraktiven Anlagechancen im Bereich ethisch-nachhaltiger Investments und Wandelanleihen und gleichzeitig sicheren Investments, die sich durch sehr geringe und schwankungsarme Returns auszeichnen. Mehr zu unseren nachhaltigen Fonds erfahren Sie im Folgenden.

Claus Weber: Der Selection Global Convertibles Fonds ist ein Wandelanleihenfonds, der keine Kompromisse eingeht. Der Fonds investiert im Vergleich zu vielen anderen Fonds nicht in synthetische Wandelanleihen, Mandatories oder sogenannte Aktienanleihen. Vielmehr legt das Fondsmanagement Wert darauf, attraktive Wandelanleihen zu selektieren, mit einem sogenannten Balanced-Profile, also einer Aktiensensitivität zwischen 30 und 70%. In diesem Bereich ist das Chance-/ Risiko-Verhältnis von Wandelanleihen optimal. Zudem ist der Fonds zwar global ausgerichtet, hat aber seinen Investitionsschwerpunkt in Europa und unterscheidet sich dadurch wieder von vielen anderen globalen Wandelanleihenfonds.

Der Investmentprozess basiert nicht auf einer vorgegebenen Benchmark. Der Fokus ist mehr darauf gerichtet, Wandelanleihen zu finden, die eine gute Performanceperspektive bieten und zugleich fair oder im besten Falle sogar unterbewertet sind. Mit Hilfe einer umfassenden Datenbank werden alle verfügbaren Opportunitäten der Titel analysiert und entsprechend bewertet. Der Investmenthorizont ist mittel- bis langfristig ausgerichtet und basiert auf einer reinen Bottom-up-Perspektive. Wichtige Parameter sind dabei die Struktur und das Profil der Wandelanleihen sowie das Ertragspotential und die Bonität/Liquidität.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Investmentprozesses ist die Bonitätsanalyse aller Emittenten, da viele Wandelanleihen (knapp 60% des Universums) kein offizielles Rating der renommierten Ratingagenturen aufweisen. Neben den möglicherweise vorhandenen, offiziellen Ratings wird für alle Titel bzw. Emittenten ein sogenanntes Schattenrating berechnet. Um Fehlentwicklungen auf Titelebene frühzeitig zu identifizieren, werden zusätzlich zu den Schattenratings die wöchentlichen Veränderungsraten der Ausfallwahrscheinlichkeiten gescreent und ausgewertet.

Jörg Scholl: Der Selection Rendite Plus Fonds ist ein schwankungsarmer Nachhaltigkeitsfonds mit einer Mischung von Aktien und Anleihen. Zielsetzung des Fonds ist ein konstanter Return von 4% und keine klassische Indexbenchmark. Bedingt durch rückläufige Renditen hat sich so im Zeitablauf ein höherer Aktienanteil ergeben. Aktuell liegen wir mit etwas über 40% deutlich unter der langjährig in den Anlagerichtlinien der KAVG vereinbarten zulässigen Obergrenze von 49%.  Momentan ist die Rentenseite nicht Performancetreiber, sondern Stabilitätsanker.

Der Fonds hat einen institutionellen Background als Vehikel einer Pensionskasse. Dort gab es ESG-Kriterien schon bevor „Nachhaltigkeit“ gehypt wurde. Später wurden diese verfeinert, als der Fonds für Stiftungen und kirchliche Kunden geöffnet wurde.  Ab 2015, als wir den Fonds in unserer eigenen Firma betreuten, haben wir das Thema vertieft. Mehrfach hat unser ESG-Ansatz das FNG-Siegel erhalten, als einer der wenigen Mischfonds.

FondsTrends: Seit einiger Zeit gilt das Thema „Nachhaltigkeit“ bei Fondsmanagern als geflügelter Begriff und hat spätestens etwa seit den Pariser Klimaabkommen, dem europäischen Green Deal sowie der forcierten Klimaneutralität bis 2050 endgültig Einzug auf den Aktien-Märkten erhalten. Eine lückenhafte Regulierung erschwert es jedoch, das Konzept der Nachhaltigkeit greifbar und transparent im Investmentprozess nachzuvollziehen. Was bedeutet es für Sie, im Einklang mit ESG-Kriterien zu investieren und wie ist Nachhaltigkeit in Ihren Fonds verankert?

Jörg Scholl: Das ist für uns sehr wichtig. Nachhaltiges und langfristig ausgerichtetes Denken und Handeln ist bei uns schon seit langem verankert, gerade durch aktuelle wie auch zurückliegende Mandate aus dem Bereich der Kirchen und Stiftungen. Um das nach außen glaubwürdig zu kommunizieren, führen wir seit zwei Jahren das FNG-Siegel für unsere Fonds. Im Dschungel der Nachhaltigkeit wollten wir einen transparenten Ansatz schaffen. Hierzu sind klar nachvollziehbare Anlageentscheidungen wichtig, die erklären, warum und auf Basis welcher Kriterien bestimmte Titel ausgeschlossen werden. Zusätzlich muss sich nach unserer Meinung der Prozess aber auch den Anforderungen einer sich sehr schnell und dynamisch ändernden Investmentwelt anpassen.

Ebenfalls traten wir einer global agierenden Initiative der Vereinten Nationen bei, die sich für die Implementierung von verantwortlichen Investments bei Investoren einsetzt und sind seit 2019 Unterzeichner der UN PRI, den „Prinzipien für verantwortliches investieren“. Das heißt, um hier nur einige der Prinzipien zu nennen, dass wir ESG-Themen in die Analyse- und Entscheidungsprozesse im Investmentbereich einbeziehen. Wir sind aktive Anteilseigner und ESG-Themen werden in unserer Anlagepolitik und -praxis berücksichtigt. Wir stehen – sofern dies bei einer Firma unserer Größe möglich ist – im konstanten Dialog mit den Firmen, um diese für die Brisanz des ESG-Themas zu sensibilisieren. Eine angemessene Offenlegung in Bezug auf ESG-Themen ist für ein mögliches Investment unserer Fonds in eine Firma von höchster Bedeutung.

Kurz gesagt: Für unsere Fonds investieren wir in Investments, die sowohl Renditen erzielen als auch ökologischen und sozialen Nutzen erbringen.

Was heißt es für uns im Einklang mit ESG-Kriterien zu investieren? Wir definieren für unsere Anlagebereiche Nachhaltigkeitskriterien und inkludieren diese in den Anlageprozess. Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Ganzheitlich bedeutet, dass Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien (ESG-Kriterien) dem Investmentprozess zu Grunde liegen. Zur Definition des möglichen Anlageuniversums verwenden wir ESG-Kriterien und verfolgen dabei einen Zwei-Säulen-Ansatz. Zum einen gibt es normbasierte Ausschlüsse, diese beruhen auf den zehn Grundsätzen des Global Compact der Vereinten Nationen und betreffen die Themenbereiche Menschen- und Arbeitsrechte sowie Korruption. Zum anderen gibt es Ausschlüsse von Unternehmen (aufgrund kontroverser Geschäftsaktivitäten wie z.B. kontroverse Waffen, Fracking, Glücksspiel oder Ölwerte) und Staaten (mit einem schlechten Freiheits- und Demokratiescore). Wichtig: Wird eine Aktie einer Gesellschaft hier ausgeschlossen, bedeutet dies auch einen Ausschluss im Bereich der Unternehmensanleihen.

Dieses ESG-Universum wird nun nach Fundamentalindikatoren quantitativ weiterverarbeitet. Hier betrachten wir fünf klassische betriebswirtschaftliche Kennziffern und vergeben Scorings pro Aktie. Branchenspezifische Besonderheiten fließen hier mit ein. Als letzter Schritt erfolgt eine qualitative Überprüfung der selektierten Titel.
Der dynamische Absicherungsprozess des Portfolios anhand unseres technischen Modells ist der letzte Baustein im Anlageprozess. Gerade dieses Jahr hat das dynamische Absicherungskonzept hervorragend gegriffen.

FondsTrends: Nachhaltige Geldanlagen und eine ertragreiche Rendite stehen sich heutzutage nicht mehr diametral gegenüber, sondern stellen vielmehr einen symbiotischen Verbund dar. Die Selektion der Einzeltitel erfüllt strenge Nachhaltigkeitskriterien, Ihre erfolgreiche Performance spricht für sich. Inwiefern unterstützt Nachhaltigkeit die Rendite?

Jörg Scholl: Ja das ist ein spannendes Thema, denn hier sind Unternehmen vordergründig mit einem Zielkonflikt konfrontiert. Wie können nachhaltige und finanzielle Ziele miteinander vereinbar sein? Unternehmen stehen oft vor dem Dilemma: Soll in sozial und ökologisch nachhaltige Maßnahmen investiert werden oder dort, wo ein finanzieller Gewinn zu erwarten ist? Schließlich geht es Anlegern ja in erster Linie bei einer Investition um den eigenen Vermögensaufbau.

Doch unser Wachstum hat Grenzen, (dazu gab es bereits 1972 eine Studie im Auftrag des Club of Rome, in der ein beklemmendes Bild und eine besorgniserregende Zukunft vorausgesagt wurde) z. B. gekennzeichnet durch ein starkes Anwachsen der Weltbevölkerung, die auch bei weiterer Steigerung der Nahrungsmittelproduktion nicht ausreichend ernährt werden kann, oder eine durch steigende industrielle Produktion verursachte, beschleunigte Umweltzerstörung und Erschöpfung der wichtigsten Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas und Eisenerz. Und genau das wird uns allen jetzt immer bewusster.

Die Prognosen bewirkten, dass die Folgen des Wachstums auf die Umwelt des Menschen bei wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen heute stärker in Betracht gezogen werden als früher und immer mehr Unterstützung in unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft findet (zudem Grundlage für die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die im September 2015 in New York von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen einstimmig verabschiedet wurde und Geburtsort der 17 Ziele, der Sustainable Development Goals, SDGs für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklung war).

Aber um konkret zu antworten: Nachhaltigkeit wird zu der Grundlage und Voraussetzung von konstanter Rendite überhaupt werden. Im Moment profitieren wir durch die Ausrichtung auf ESG-Themen, aber in der Zukunft werden Investitionen, die keinen nachhaltigen Ansatz oder Beitrag leisten, keine großen Renditechancen mehr haben. Wir sind überzeugt, dass gerade die zusätzlichen non-finanziellen Kriterien (ESG-bezogene Leistungen) dabei helfen, das komplexe Geflecht von Chancen und Risiken insbesondere eines Unternehmens umfassender zu verstehen.
Unternehmen, die eine Antwort auf den Klimawandel haben, die effizient mit Energie umgehen und sich bei der Gestaltung ihrer Produkte an den steigenden umweltbezogenen und sozialen Anforderungen ihrer Kunden orientieren, werden wirtschaftlich langfristig erfolgreicher sein. Der umweltschonende, soziale und effiziente Umgang mit Ressourcen spart zum einen Kosten, zum anderen sorgen die Forschung und Entwicklung hinsichtlich umweltfreundlicher Produkte und Verfahren dafür, dass sich das Innovationspotenzial erhöht und neue Märkte geschaffen werden.

Claus Weber: Das wird übrigens durch eine Vielzahl von Analysen auch statistisch untermauert. Seit 1970 wurden weltweit viele Studien zu der Frage durchgeführt, ob nachhaltige Unternehmen erfolgreicher wirtschaften als ihre nichtnachhaltig agierenden Konkurrenten bzw. ob deren „nachhaltige“ Wertpapiere sich besser entwickeln als konventionelle Aktien und Anleihen. Mehr als 90% aller Studien weisen zumindest einen neutralen, in der Mehrzahl aber sogar einen positiven Einfluss der Berücksichtigung von ESG-Kriterien hinsichtlich des Unternehmens- bzw. Anlageerfolges auf. Nur sehr wenige der Studien sehen nachhaltige Unternehmen bzw. Wertpapiere im Nachteil. Aus Sicht vieler nachhaltiger Investoren ist übrigens schon ein neutraler Zusammenhang positiv zu bewerten, ermöglicht er doch die Verfolgung wichtiger sozialer und ökologischer Ziele bei gleichzeitig marktgerechten Erträgen und somit eine doppelte Dividende.

FondsTrends: Die COVID-19-Pandemie hält die Welt als auch den Finanz-Markt nun bereits seit einem Jahr fest im Griff und belastet Börsen sowie Anleger gleichermaßen. Während andere Fonds im gleichen Zeitraum einschneidende Verluste erfahren, scheint der SRP jedoch nahezu immun gegen das Corona-Virus und startet mit einem Plus in das Jahr 2021. Was unterscheidet Sie und Ihr Risiko-Management, insbesondere in Krisenzeiten, von anderen aktiven Fondsmanagern?

Jörg Scholl: Ja, gerade in dem Corona Krisenjahr, das u.a. auch durch die US-Wahlen und den scheidenden Präsidenten Donald Trump sehr turbulent war, hat unser Fonds eine sehr gute Rendite erwirtschaftet und stark an AuM zugelegt. Unsere konsequente und erfolgreiche Kombination aus dynamischem Sicherungskonzept und klaren ESG-Nachhaltigkeitskriterien hat hervorragend gegriffen und z.B. unserem SRP-Fonds markante Alleinstellungsmerkmale gegeben. Da die Märkte teuer sind, ist der Ertrag aus der Absicherungskomponente aktuell kleiner. Der Selektionsertrag überwiegt. Wenn die Märkte aber wieder fallen, kommt der Hauptreturn aus der Absicherung. In der Aufwärtsphase ist der Return im Vergleich zu einem reinen Indexinvestment ein bisschen geringer. Bei Aktienmarktrückgängen greift dafür aber die Absicherungskomponente der Eichhörnchen Strategie. Insgesamt eine perfekte Kombination aus guter Selektion im Aktien- und Rentenbereich und zusätzlicher Absicherungskomponente.

Viele Fondsmanager verfolgen als Stockpicker rein fundamental orientierte Managementansätze ohne Timing oder Risikocontrolling. So riskiert man aber Verlustphasen von 20 bis 30% – aus unserer Sicht für den Kunden nicht akzeptabel. Und natürlich resultiert das starke Ergebnis unserer Gesellschaft auch aus unserer permanenten Beobachtung der Märkte und unserem sehr agilen und aktiven Managementansatz.  All das zusammen könnte man als Unterscheidung anführen, bestätigt durch eine Vielzahl von aktuellen Auszeichnungen z.B.  in der WirtschaftsWoche (2018, 2020 und jetzt neu auch in 2021) und in Das Investment (Platz 1 im Crashtest, in dem wir uns gegen 15 Mitbewerber durchgesetzt haben) oder z.B. durch Bestnoten von Morningstar (5 Sterne in allen Phasen über 3, 5 und 10 Jahre sowie 4 Sustainable Globes) und ein Top-Rating von Mountain-View Data, in welchem unser Selection Rendite Plus Fonds zu den 10% der Besten seiner Fondskategorie gehört.
Unser Fonds liegt aktuell bei ca. 84 Mio. AuM und ist trotz aller Krisen und Turbulenzen stark im Volumen angestiegen. Wir sehen im Moment ein enorm großes Interesse.

FondsTrends: Sie verfolgen eine „Eichhörnchen-Strategie“. Welche Methodik verbirgt sich dahinter und wie passt dieses Modell zum restlichen Ansatz?

Jörg Scholl: Man kann es auch mit „Don`t lose – Was man nicht verliert muss man auch nicht wieder aufholen“ beschreiben. Hier spielt das Thema Risikominimierung im Fonds eine wichtige Rolle und hier kommt unsere sogenannte „Eichhörnchen Strategie“ ins Spiel. Darunter verstehen wir das schrittweise einsammeln kleiner Kursgewinne. Was bedeutet das? Im Regelfall wird sehr häufig beim Erreichen irgendwelcher Unterstützungslinien oder ähnlichem abgesichert, wir aber sichern antizyklisch ab. Sprich, wenn große Euphorie herrscht, bauen wir bereits erste Absicherungspositionen auf. Damit ist nicht gesagt, dass wir damit immer das absolute „High“ erwischen. Häufig fallen kleine Verluste an, wenn das High doch noch nicht erreicht ist. Unsere Sicherung erfolgt sehr dynamisch, d.h. in Abwärtsbewegungen bleiben wir gesichert und erreichen im Low überdimensionale Sicherungsgewinne. Diese Vorgehensweise erfolgt konstant im Zeitablauf. Für uns stellt ein Future ein richtiges Investment dar; eine Returnkomponente im Fonds. Diese antizyklische Vorgehensweise nicht erst zu sichern, wenn bestimmte Unterstützungslinien fallen, stellt ein Alleinstellungsmerkmal dar.

FondsTrends: Das aktuelle Niedrigzinsumfeld sorgt insbesondere bei sicherheitsorientierten Anlegern für Unsicherheit auf dem Finanzmarkt. In dem Portfolio ihres Rentenfonds Selection Global Convertibles setzen Sie unter anderem auf die Verwandlungskünste von Wandelanleihen als sicherer Anker. Wo liegen die Chancen, wo die Risiken und wie wird das im Fonds abgebildet?

Claus Weber: Der Selection Global Convertibles Fonds verfolgt ein defensive Investmentstrategie und investiert überwiegend in Wandelanleihen mit einem Bond- oder Balanced-Profile. Dadurch kann der Fonds im Niedrigzinsumfeld eine Alternative mit geringer Zinssensitivität und höherem Ertragspotential sein. Insbesondere im Vergleich zu Unternehmens- oder High-Yield-Anleihen können Wandelanleihen eine Ergänzung im Portfolio sein. In der Vergangenheit haben Wandelanleihen aufgrund ihrer Partizipation an der Aktienkursentwicklung zudem eine relative Outperformance zu klassischen Anleihen in einem Umfeld steigender Zinsen gezeigt.

FondsTrends: Nachhaltigkeit ist nach wie vor in aller Munde. Die gegenwärtige Ausnahmesituation scheint die Aufmerksamkeit auf akute Problemstellungen zu bündeln, gleichsam jedoch den Blick auf dauerhaft notwendige Veränderungsprozesse zu öffnen. Wie lautet Ihre Einschätzung: Bremst die anhaltende Krise die Entwicklung nachhaltiger Investments oder schafft sie es auf lange Sicht, den Fortschritt weiter zu stimulieren?

Claus Weber: Aus meiner Sicht ist die Entwicklung nachhaltiger Investments nicht mehr zu bremsen. Sowohl die Regulatorik, aber auch durch die Nachfrage der Investoren wird die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagemöglichkeiten weiter vorantreiben. Auf lange Sicht werden nachhaltige Investments natürlich auch den Fortschritt stimulieren und auch neue Technologien voranbringen und weiter entwickeln lassen.

FondsTrends: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Welche Veränderungen haben Sie durch die Corona-Pandemie hinsichtlich Ihres beruflichen sowie privaten Leben erfahren?

Jörg Scholl: Es ist sicherlich so, dass die Pandemie den Blick auf das Wesentliche im Leben geschärft hat und ich bin auch der Meinung, dass in jeder Krise auch wieder eine Chance steckt. Veränderungsprozesse werden vorangetrieben und neue Herausforderungen müssen angenommen werden.  Davon können insbesondere auch kleinere Unternehmen profitieren, da diese sich möglicherweise auch schneller auf wesentliche Veränderungen einstellen können.

FondsTrends: Herr Scholl, Herr Weber, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen weiterhin alles Gute!

 

 

11. März 2021

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Autor

Jörg Scholl

Jörg Scholl ist seit mehr als 27 Jahren Experte im Bereich Fonds- und Asset Management, mit Schwerpunkt Aktien und Derivaten. Nach seinem Studium an der EBS Universität für Wirtschaft & Recht und einer mehrjährigen Tätigkeit bei EY Wirtschaftsprüfung folgten 4 Jahre im Aktienfondsmanagement der DWS und 6 Jahre als Fondsmanager intern. Aktien bei der Activest (später Pioneer). Ab dem Jahr 2000 war Jörg Scholl Leiter Portfoliomanagement bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und ab 2005 Gründungsgeschäftsführer und Fondsmanager der Hauck & Aufhäuser Asset Management GmbH in München. In der Spitze verantwortete er bis zu 3,5 Mrd. EUR Asset under Management und 7 Mrd. EUR Asset under Administration. Als spezialisierter Individualanbieter arbeitete H&A Asset Management bis Ende 2014 mit 14 KAVGen und 12 Depotbanken zusammen. Seit 2015 ist Jörg Scholl Geschäftsführer der Selection Asset Management GmbH.

Autor

Claus Weber

Claus Weber ist seit mehr als 27 Jahren Experte im Bereich Fonds- und Asset Management. Er startete seine Karriere 1991 im SwissRe-Konzern und verantwortete dort über 10 Jahre hinweg verschiedene Assetklassen (den Bereich Fixed-Income, über Aktien bis hin zu Wandelanleihen).
Als Gründungsgeschäftsführer der Hauck & Aufhäuser Asset Management GmbH zeichnete er seit 2005 in der Spitze für bis zu 3,5 Mrd. EUR Assets under Management verantwortlich und managte dabei als verantwortlicher Fondsmanager zahlreiche Spezialfonds- Mandate. Seit 2015 ist Claus Weber Geschäftsführer der Selection Asset Management GmbH. Als persönliche Auszeichnungen erhielt er den Lipper Fund Award 2010 (Bester Wandelanleihen-Fonds über 5 Jahre) und den EUR Fund Award 2015 - 10 Jahre (2. Platz in der Kategorie „Wandelanleihen Europa“).

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