Welche Hürden sehen ausländische Fondsmanager in Deutschland?

Von Norwegen bis Südafrika, von Chile bis nach Japan: Der deutsche Fondsmarkt ist für Investmentgesellschaften jedweder Herkunft interessant. Doch welche Hürden empfinden ausländische Asset Manager in Deutschland als die höchsten? Und mit welchen Herausforderungen haben sie in der Bundesrepublik mehr Arbeit als auf ihren jeweiligen Heimatmärkten? Darüber gibt jetzt eine neue Umfrage etwas mehr Aufschluss. 

Kundenspezifische Anforderungen, z. B. in den Bereichen Reporting und Steuern (25%), Deutschlands dezentrale Struktur mit seinen verschiedenen Finanzzentren (19%) und Fondsinformationen in deutscher Sprache sowie der Zugang zu Vertriebspartnern (jeweils 18%) sind für ausländische Investmentgesellschaften die größten Herausforderungen auf dem deutschen Markt. Fondsbezogene Regulierung (9%) und die Einstellung von qualifiziertem Personal (7%) stellen hingegen geringere Hürden dar.

Infografik Asset-Manager-Umfrage 2024

Das sind die zentralen Ergebnisse der neuen Online-Umfrage „Die größten Herausforderungen für ausländische Fondsmanager auf dem deutschen Markt“ von Gerle Financial Communications, einer spezialisierten Kommunikationsberatung für die Finanzbranche. An der Befragung im März 2024 nahmen 28 Vertreter von ausländischen Fondsgesellschaften, externen Außendienstmitarbeitern (Third-party Marketers) und Dienstleistern für die Fondsindustrie teil.

20 der teilnehmenden Unternehmen stammten aus Europa, davon fünf aus Frankreich und vier aus Großbritannien. Sechs kamen aus den USA, je eines aus Kanada und Chile. Gemeinsam repräsentieren die Gesellschaften ein global verwaltetes Vermögen von rund EUR 6,5 Billionen.

Weniger neue Artikel 8- und 9-Fonds, mehr Frauen an Bord, weniger Home office-Tage

Als weitere Resultate der Umfrage, der mittlerweile fünften ihrer Art, ergab sich: Nur noch drei von zehn ausländischen Fondsmanagern wollen bis Ende dieses Jahres mehr neue Artikel 8-Fonds nach der EU-Transparenzverordnung anbieten, aber nur 15% werden ihr Angebot an Artikel 9-Fonds erhöhen.

Der Anteil der Frauen hat bei der Hälfte der ausländischen Fondshäuser im vergangenen Jahr zugenommen, während er sich bei 43% nicht verändert hat.

Rund vier Jahre nach dem Ausbruch der COVID-Pandemie haben sich die Regeln für die Arbeit von zu Hause, das „Home office“, verändert. Bei drei Vierteln der Befragten arbeiten Angestellte von ausländischen Fondsgesellschaften wieder mehr Tage pro Woche im Büro als von zu Hause aus. Für die Hälfte der Befragten sind demnach „zwei Tage von zu Hause, drei im Büro“ das häufigste Arbeitsmodell ihres Arbeit- bzw. Auftraggebers.

„Deutschlands dezentrale Struktur mit seinen verschiedenen Finanzzentren bleibt für ausländische Investmentgesellschaften eine der größten Herausforderungen.“

Hagen Gerle

Regulierung macht in Deutschland mehr Arbeit als in Heimatmärkten

„Haben ausländische Investmentgesellschaften in Deutschland mehr, weniger oder genauso viel Arbeit mit den folgenden zentralen Herausforderungen: Regulierung, New Work/Home office, ESG/SRI und Digitalisierung?“, lautete eine weitere Frage.

Danach bereitet die Regulierung ausländischen Fondsgesellschaften und ihren Mitarbeitern in Deutschland noch immer mehr Aufwand als in ihrem jeweiligen Heimatmarkt: 52% bestätigten dies, wobei 44% angaben, dass die Regulierung in Deutschland ihnen genauso viel Arbeit mache wie zuhause.

Ein zweites, offensichtlich zeitaufwändiges Thema ist der Prozess der Überwachung, Auswahl und Verwaltung nachhaltiger und sozial verantwortlicher Investments (ESG/SRI): Etwas mehr als ein Drittel der Befragten (37%) gab an, dass dies in der Bundesrepublik mühsamer sei als in ihrem jeweiligen Heimatland. Mehr als die Hälfte (56%) hatte in Deutschland ebenso so viel Arbeit mit ESG/SRI wie zuhause.

Die Digitalisierung bereitet ausländischen Fondsmanagern in Deutschland mit 74% der Nennungen genauso viel Mühe wie in ihren Herkunftsländern. In Bezug auf „New Work/Home Office“ sehen sogar 81% keinerlei Unterschied im Aufwand für Fern- und Heimarbeit zwischen der Bundesrepublik und ihrem Herkunftsland.

Dachfondsmanager und große institutionelle Kunden bleiben wichtigste Zielgruppen

Die wichtigsten Zielgruppen für den Vertrieb ausländischer Investmentgesellschaften im deutschen Markt bleiben Dachfondsmanager und Vermögensverwalter mit 89% der Nennungen sowie große institutionelle Kunden wie Pensionskassen und Versicherungen mit 81% (Mehrfachnennungen waren möglich).

(Single) Family Offices und Privatbanken haben im Vergleich zum Vorjahr die Plätze getauscht: SFOs gelten nun als drittwichtigste Kundengruppe mit 78%; Banken kamen auf den vierten Rang mit 63%. Auf unabhängige Finanzberater entfielen 41% der Stimmen.

Die ausführlichen Ergebnisse der Befragung finden Sie auf der Website von Gerle Financial Communications: Asset-Manager-Umfrage 2024: Was sind die größten Herausforderungen für ausländische Fondsmanager in Deutschland?

 

 

05. Juni 2024

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Autor

Hagen Gerle

Hagen Gerle ist Spezialist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen aus der Finanzbranche. Der gelernte Tageszeitungsredakteur und ehemalige Kommunikationsmanager von Fidelity Investments berät seit 1994 vorrangig ausländische Fondsgesellschaften, die seit kurzem im deutschen Markt tätig sind oder ihren Markteintritt dort noch planen.
2002 gründete er sein eigenes Beratungsunternehmen in Frankfurt/Main. Gerle Financial Communications bietet Kunden strategische Beratung, Medienarbeit, Investment writing und die Erstellung von Unternehmenspublikationen. 2011 siedelte Hagen Gerle mit Familie und Geschäft in den Südwesten Englands um, von wo er Finanzunternehmen in verschiedenen Ländern betreut.

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