Was beherrschte die Finanzmärkte 2021?

Ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Auch für uns die Gelegenheit, auf die Ereignisse des letzten Jahres zurückzuschauen. Gastbeitrag von Mike Judith, Managing Director und Head of International Sales bei DNB Asset Management, exklusiv auf FONDSTRENDS.LU.

Zunächst gab ein vorhandener Impfstoff Hoffnung zur Bekämpfung der Pandemiekrise. Mit dem Start der Impfungen zu Beginn des Jahres legten auch die Aktienmärkte kräftig zu.
Die Krise schien unter Kontrolle – Unternehmen und Anleger atmeten auf. Allerdings hat sich dieses starke Wachstum von Anfang 2021 zuletzt etwas verlangsamt. Erste Anzeichen für eine Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums sind zum Ende des Jahres hin zu erkennen.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: Neben Problemen in den globalen Lieferketten, die sich z.B. in Form des Chipmangels auf die Autobranche auswirken, führte die Verbreitung der Delta- sowie zuletzt auch Omikron-Variante im letzten Quartal insgesamt zu einer Konjunkturabschwächung. Auch die schwächelnde Wirtschaftsentwicklung in China gepaart mit der Krise um den Immobilienkonzern Evergrande dürften dazu beigetragen haben. Vor allem aber könnte die zum Jahresende wieder in Kraft getretene „Null-Covid-Politik“ in China die globale Logistik und damit auch die weltweiten Lieferketten erneut bedrohen. Dabei sind nicht einmal die Probleme der vergangenen Pandemiewellen überwunden. Für das vierte Quartal rechnen Wirtschaftsinstitute längst mit einer Stagnation des weltweiten Wirtschaftswachstums.

Inflationsdruck

Auch angesichts der hohen Inflationsraten standen die Finanzmärkte in der zweiten Jahreshälfte deutlich stärker unter Druck als noch zu Beginn des Jahres.
Bedingt durch die Lieferkettenproblematik sowie die hohen Rohstoffpreise hat sich der Anstieg der Inflationsraten weltweit fortgesetzt. In zahlreichen Ländern wie Deutschland, den USA und den baltischen Staaten erreichten die Inflationsraten historische Höchstwerte. Eine durchschnittliche Preissteigerung im Euroraum von mehr als vier Prozent – ursprünglich das Horrorszenario der Europäischen Zentralbank – ist zum Alltag geworden.
Bei der Frage, ob der Inflationsdruck ein vorübergehendes Phänomen oder doch von dauerhafter Natur ist, scheiden sich die Geister. Neuigkeiten kamen im November jedoch von der Fed, die eine kontinuierliche Verringerung der milliardenschweren Anleihekäufe ankündigte. Sollten die hohen Inflationsraten, anders als von den Zentralbanken vermutet, doch kein vorübergehendes Phänomen sein, so müssten diese allerdings noch stärker auf die Bremse treten.

Auf diese Entwicklungen hat die norwegische Zentralbank früh reagiert und als erste europäische Zentralbank ihren Null-Leitzins bereits im September angepasst. Die erste Anhebung erfolgte auf 0,25 %, eine zweite Anhebung um weitere 25 Basispunkte Mitte Dezember.
Auch für das bevorstehende Jahr werden hohe Inflationsraten prognostiziert. Im Euroraum könnte diese immer noch deutlich über drei Prozent liegen.

Insgesamt sind die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen am europäischen Anleihemarkt damit aber weiterhin sehr günstig. Nicht wenige sehen das Niedrigzinsniveau als Chance für steigende Unternehmensinvestitionen und Produktionskapazitäten, wodurch das Wirtschaftswachstum maßgeblich angekurbelt werden könne.
Bemerkbar machte sich das Vertrauen in die positiven Aussichten für Unternehmen am Aktienmarkt. Bis zum dritten Quartal verbuchten die Aktienmärkte weltweit Kurssteigerungen. Auch gegenüber der Inflationsentwicklung und der Debatte um eine geldpolitische Straffung zeigten sich die Aktienmärkte vergleichsweise resistent. Die gute Berichtssaison sowie höhere Gewinnerwartungen der Unternehmen wirkten indessen kursstützend. Sorgen über den weiteren Verlauf der Pandemie traten bei den Marktteilnehmern vor allem im Sommer und in den frühen Herbstmonaten in den Hintergrund. Erst die im November aufgetretene Corona-Mutante „Omikron“ versetzte die Aktienmärkte in Angst und Schrecken. Ursprüngliche Rekorde der Aktienindizes wurden schnell eingebüßt – zu groß ist die Sorge vor erneuten Lockdowns. Auf Jahressicht haben die Aktienmärkte dennoch stark zugelegt – der MSCI World lag zuletzt sogar 20 % über dem Vorkrisen-Niveau und auch der MSCI World Emerging Markets konnte um über 9 % zulegen.
Europäische Aktien, gemessen am Euro Stoxx, stiegen seit Ausbruch der Pandemie um über 18 %.

Verlierer und Gewinner

Weiterhin spaltet die Pandemie die Geschäftstätigkeiten der Unternehmen jedoch in zwei Gruppen. Während sich unter anderem Lieferdienste, Onlinehandel, Medizintechnik und Softwareunternehmen über anhaltend florierende Geschäfte freuen, stecken Fluggesellschaften, Messen, Hotels, Restaurants sowie die Freizeitindustrie weiterhin im Minus. Die Aktienkurse jener Unternehmen büßten innerhalb des zurückliegenden Jahres nicht selten über 30 Prozent ein. Verschärfte Maßnahmen im Kampf gegen die neue Corona-Variante sowie Lieferschwierigkeiten treffen vor allem den Einzelhandel und dessen essenzielles Weihnachtsgeschäft schwer.

Ausblick

Für die Entwicklung der Finanzmärkte im Jahr 2022 wird es vor allem auf zwei Faktoren ankommen: Der Wiederaufbau eines stabilen Marktumfeldes wird unmittelbar davon abhängen, wie schnell es gelingt, mithilfe von Impfungen die Kontrolle über die Pandemie zu erlangen. Außerdem werden Notenbanken, aber auch Unternehmen und Anleger ein besonderes Auge auf die Entwicklung der Inflation werfen. Außer Frage steht, dass die Preissteigerung bei einer Reihe von Produkten, insbesondere bei Erdöl, zu Buche schlagen wird. Der damit zwingend notwendige Anstieg des Gehaltsniveaus könnte sich wiederum negativ auf die Gewinnmargen vieler Unternehmen auswirken.

Vor allem aber stellt sich für die Anleger in Zeiten hoher Inflation die Frage, wie einer Entwertung des Geldes langfristig entgegengewirkt werden kann. Hier werden auch im nächsten Jahr entsprechende Anlageprodukte eine entscheidende Rolle spielen. Setzen Sie also auf zukunftsträchtige und pandemieresistente Unternehmen sowie auf aktive Manager, die Ihnen bei der Auswahl des richtigen Portfolios zur Seite stehen.

 

 

28. Dezember 2021

 

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Autor

Mike Judith

Mike Judith arbeitet im Asset Management der größten norwegischen Bank DNB und leitet den internationalen Vertrieb. Bevor er 2010 zu DNB Asset Management kam, betreute er institutionelle Investoren bei der amerikanischen Privatbank Brown Brothers Harriman. Seit 2007 doziert er für die Frankfurt School of Finance & Management.

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