Private Märkte: mehr als eine Absicherung im neuen globalen Kontext

Zu Beginn des Jahres 2024 vollzog BlackRock mit der Übernahme von Global Infrastructure Partners (GIP) für 3 Mrd. USD in Barmittel und 12 Mio. Aktien (im Wert von rund 9,5 Mrd. USD) die größte Firmenakquisition seit dem Jahr 2009. Als einer der größten alternativen Asset Manager katapultierte sich BlackRock mit dieser Übernahme an die Spitze des alternativen Segments der Asset-Management-Branche und stärkte sein verwaltetes Vermögen (AuM) in Private Markets erheblich. Darüber hinaus spiegelt diese Übernahme das wachsende Interesse von Investoren an Infrastruktur-Assets im Speziellen und alternativen Assetklassen im Allgemeinen wider, da sie hohe Renditen bei gleichzeitig hoher Inflationsbeständigkeit anstreben.

Während der Druck auf die Gebühren durch die Verbreitung kostengünstiger passiver Strategien zunimmt, gewinnt das Potenzial alternativer Anlagen für die gesamte Asset-Management-Branche zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus heben die weltweit anhaltenden geopolitischen Turbulenzen die Dringlichkeit der Energiewende nochmals deutlich hervor und schaffen zusätzliche Möglichkeiten für privates Kapital, durch Investitionen in erneuerbare Energien einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wirtschaft zu leisten. Alternative Anlageklassen – wie Infrastruktur oder Immobilien – entwickeln sich damit nicht nur zu vielversprechenden Instrumenten für die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft, sondern auch zu entscheidenden Instrumenten für die Erreichung der Netto-Null-Ziele des Pariser Abkommens.

Alternatives sind auf dem Vormarsch

Wie die Übernahme von BlackRock beweist, erkennen führende Asset Manager die wachsende Relevanz von Private Markets. Der jüngste PwC-Bericht „Asset and Wealth Management Revolution 2023“ belegte die sich stark verändernden Erwartungen der Anleger, die zunehmend zu (1) passiven Strategien tendieren, um niedrigere Gebühren zu erzielen, und (2) auf Private Markets ausweichen, um höhere Renditen zu erzielen und sich gegen Marktunsicherheiten abzusichern.

Hinsichtlich des letztgenannten Aspekts sprechen die Zahlen für sich. Im Jahr 2013 beliefen sich die weltweiten Private Market Assets auf 5,1 Bio. USD, wovon 62,7% (3,2 Bio. USD) auf Private Equity (PE) entfielen. Zehn Jahre später erreichte das Gesamtvolumen Ende 2023 14,1 Bio. USD, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum (CAGR) von 10,7% gleichkommt. Obwohl PE nach wie vor die dominierende Anlageklasse darstellt, erstreckt sich das Wachstum auf alle Anlageklassen, allen voran Infrastruktur, dessen AuM von 0,4 Bio. USD im Jahr 2013 auf 1,7 Bio. USD im Jahr 2023 mit einer CAGR von 15,5% anstieg.

Hinweis: Daten ohne fund of funds and secondaries.
Quellen: PwC Global AWM & ESG Research Centre, Preqin, IJ Investor.

Blieben alternative Anlagen bisher institutionellen Anlegern und vermögenden Privatpersonen vorbehalten, so zeichnet sich gegenwärtig ein Wandlungsprozess ab.

Das im Januar 2024 in Kraft getretene ELTIF 2.0 Regime repräsentiert eine stark überarbeitete Version des ursprünglichen ELTIF Regimes. Ziel besteht in der „Demokratisierung“ der privaten Märkte durch den Abbau von Hindernissen für Kleinanleger (etwa die Mindestanlageschwelle von 10 Mio. EUR) sowie in der Erleichterung langfristiger Investitionen in die Realwirtschaft.

Solche regulatorischen Änderungen eröffnen positive Aussichten für das alternative Segment der Asset-Management-Branche, da sie ein erhebliches Potenzial bieten, dringend benötigtes Kapital in die Energiewende, die soziale Infrastruktur und die digitale Transformation der Wirtschaft zu lenken.

Die Bedeutung von Alternatives

In den letzten Jahren hat sich das ESG-Paradigma (Environmental, Social and Governance) in der Asset-Management-Branche rasch durchgesetzt, angetrieben durch neue Regularien wie etwa die bahnbrechende EU-Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzprodukte (SFDR).

Parallel zum ESG-Wandel zog die Energiewende die Aufmerksamkeit von Asset Managern und Investoren auf sich. Wie der jüngste Bericht der in Paris ansässigen Long-term Infrastructure Investors Association ausführte, handelt es sich bei der Energiewende um ein weit gefasstes Konzept, das Solarenergie, Windenergie, Stromspeicherung, Netzanpassung sowie Biomasse und Energieeffizienz einschließt. Alle diese Faktoren sind notwendig, um das Ziel der Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

Um diese ambitionierten Emissions-Ziele zu realisieren, die in internationalen Übereinkünften wie dem Pariser Abkommen formuliert wurden, können sowohl Privatanleger als auch institutionelle Investoren einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Kapital in die Finanzierung grüner Infrastrukturen sowie Immobilien lenken, die langfristig ökonomische und ökologische Dividenden generieren.

In der Tat führt an der Dekarbonisierung von Infrastrukturen und Immobilien kein Weg vorbei. Laut dem Bericht des UN-Umweltprogramms über den globalen Stand des Bauwesens im Jahr 2023, verbrauchten Wohn- und Gewerbeimmobilien unter Berücksichtigung der für die Herstellung von Baumaterialien verwendeten Energie im Jahr 2022 34 % der weltweiten Energie und stießen 37 % des weltweiten CO2 aus. Investitionen in nachhaltige, Energieeffizienz ausgelegte „grüne“ Gebäude spielen daher eine entscheidende Rolle bei der Verringerung dieser Umweltauswirkungen.

Alternatives als Weg in die Zukunft

Ende Januar 2024 betrug das weltweit verfügbare „Dry Powder“ 3,6 Bio. USD – mehr als doppelt so viel wie im Dezember 2013 (rund 1,3 Bio. USD). Die derzeit hohe Verfügbarkeit von „Dry Powder“ bietet den im alternativen Segment tätigen Asset Managern eine einzigartige Gelegenheit, Kapital in die Energiewende und ESG-Aktivitäten im Allgemeinen zu investieren, um langfristige Wertzuwächse zu erzielen, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und den Anlegern hohe Renditen zu bieten.

Globales dry powder (USD Bio.)

Quellen: PwC Global AWM & ESG Research Centre, Preqin.

Angesichts der Bestrebungen, Private Markets für Kleinanleger zugänglicher zu machen, bieten sich Asset Managern im Bereich der alternativen Investments attraktive Chancen, zentrale Problemfelder wie den Klimawandel oder nachhaltige Entwicklung aufzugreifen und damit jene Investoren zu gewinnen, die positive wirtschaftliche Ergebnisse im Einklang mit ESG-Grundsätzen anstreben.

Selbst in Zeiten der Ungewissheit und des Umbruchs eröffneten sich auf den Private Markets demnach Chancen für Wachstum und Innovation. Um mit einer Metapher zu schließen; Investitionen in Private Markets zur Unterstützung der Energiewende und zur Förderung von ESG-Prinzipien ähneln dem Pflanzen eines Baumes: Während Geduld und Pflege erforderlich sind, ist der Schatten für künftige Generationen garantiert.

 

12. Juni 2024

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