Japanische Verhältnisse?

Immer öfter taucht der Begriff „japanische Verhältnisse“ in den Medien im Zusammenhang mit den aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa auf. Droht eine derartige Lage wie langjährig in Japan auch in unseren Breitengraden und wie reagiert man als Anleger darauf?

Landläufig wird unter „japanischen Verhältnissen“ eine lang anhaltende Periode verstanden

  • mit niedrigem Wirtschaftswachstum
  • niedriger Inflation und
  • niedrigen Zinsen

Es stellt sich die Frage, wie gerade Fixed Income Investoren darauf reagieren können

Während in den USA ein sukzessives Zurückfahren der lockeren Geldpolitik derzeit immer wahrscheinlicher wird, auch damit die dortige Zentralbank in der nächsten Krise wieder “fire power” hat, gestaltet sich die Lage der EZB schwieriger.

Das nach wie vor ungelöste Problem der unterschiedlich starken Volkswirtschaften im EU- Raum und die damit verbundene politische Instabilität dürften den Raum der EZB für Zinssteigerungen auch längerfristig stark einengen. Es darf auch nicht vergessen werden, dass die Inflationsangst eher bei den Deutschen im kollektiven Gedächtnis ist, als bei den Südeuropäern, die ihre Währungen vor Einführung des Euro immer wieder abgewertet haben, um konkurrenzfähig zu sein.

Kommen damit “japanische Verhältnisse” auf uns europäische Investoren zu? Wie reagieren? Ein Blick nach Japan zeigt, dass es durchaus langfristige Strategien gibt, dem negativen Realzins zu entkommen.

Was haben japanische Banken getan?

Japanische Banken haben bereits Ende der 90er Jahre damit begonnen, ihr Kreditgeschäft durch den Ankauf von breit diversifizierten und gesicherten Unternehmenskrediten zu erweitern. Im Jahr 2019 haben japanische Banken so circa 20 % des 761 Milliarden USD großen CLO Marktes gehalten.
Damit haben sie sich von der Binnenwirtschaft, dem Yen und der Zinsentwicklung unabhängiger gemacht.
Als Instrument hierfür nutzen japanische Banken unverändert AAA CLOs (Collateralised Loan Obligations). Da diese durch die hochwertige Besicherung noch nie Ausfälle zu verzeichnen hatten, haben sie damit attraktive Margen vereinnahmt.

Attraktive Renditen auch heute

Und auch heute gibt es gute Renditen bei europäischen CLOs (in EUR) zu verdienen:

Auch japanische, sowie auch einige europäische und viele amerikanische Versicherer und Family Offices gehören seit Jahrzehnten zu den Käufern von CLOs. Diese schätzen auch den mittleren Bonitätenbereich bei CLOs und investieren bis zur nicht gerateten Equity-Tranche einer CLO Struktur mit zwar höherem Risiko aber auch Renditen von 6 bis 12 % p.a..

Sollten die Zinsen wider Erwartung doch anziehen, sind Investoren mit CLOs gut positioniert, da diese in der Regel mit einer Floating Rate Eigenschaft ausgestattet sind und damit von einer Anhebung der Leitzinsen profitieren.

"Die Welt der CLOs mag komplexer und bisher nicht jedem bekannt sein, offeriert dadurch aber auch Mehrrenditen abseits von Durations- und Zinssenkungseffekten, die wohl auf absehbare Zeit erst mal ausgelaufen sind."

 

 

16. September 2021

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Zusammengefasst

 

  • „Japanische Verhältnisse“ drohen auch in Europa
  • Erprobte Strategien japanischer Banken, dem negativen Realzins zu entgehen
  • Ankauf breit diversifizierter und besicherter Unternehmenskredite im Fokus
  • Sehr sichere Anlagemöglichkeit mit auch heute noch attraktiven Renditen
  • Durch Floating Rate Eigenschaft zusätzlich Inflationsschutz im Falle von Zinssteigerungen
Autor

Jürgen Nott

Jürgen Nott ist Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer der deutschen CLO-Boutique Infinigon GmbH. Mehr als 20 Jahre war er bei der Deutschen Bank beschäftigt, davon über zehn Jahre als Managing Director zuständig für den Auf- und Ausbau des Collateralized Debt Obligation (CDO)-Geschäfts bei der Deutschen Asset Management. Jürgen Nott war auch unternehmerisch verantwortlich für den Geschäftsbereich, den er durch eigene Teams und Kooperationen zu einer globalen Plattform ausgebaut hat.

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