„Der Zugang zu den Private Markets muss auch für Privatanleger gegeben sein“

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass das generelle Interesse der Menschen, eigenständig in Finanzprodukte zu investieren, die die Möglichkeit bieten, langfristig Vermögen aufzubauen, stark angestiegen ist. Niedrige Zinsen und eine steigende Inflation sind Motivatoren dieser Entwicklung. Doch neben den neu hinzugekommenen Anlegern wächst auch der Anteil derjenigen, die bereits einige Erfahrungen in der Welt des Investierens sammeln konnten. Hier setzt auch die neue Investmentplattform inVenture an, die den Einstieg und die mittelbare Beteiligung an Venture Capital und Growth Capital Fonds für den Privatanleger ermöglichen soll. FONDSTRENDS.LU sprach dazu mit den Gründern Lennard Fischer und Alexander Lübcke.
 

FONDSTRENDS.LU: inVenture wurde letztes Jahr im März gegründet. Bitte erläutert unseren Lesern einmal genauer, wann kam die Idee zu inVenture?

Lennard Fischer: Die Idee hatten wir schon länger im Kopf, da uns die großen Hürden bei Investitionen in Venture Capital und Private Equity Fonds, die in Deutschland erst ab einer Mindestinvestitionssumme von 200.000 Euro für semiprofessionelle Anleger zugänglich sind, bekannt war.

Alexander und ich haben zudem bereits Erfahrungen im Asset Management und Corporate Venture Capital sammeln können und haben einige Fonds gesehen. Der Zugang ist aber nur für institutionelle und wohlhabende Anleger möglich. Das wollten wir ändern. Wir fingen also an mit unserem Netzwerk die Idee zu diskutieren und sind auch auf Fonds und Kanzleien zugegangen. Schließlich kamen wir auch mit der Blockchain-Technologie und der Tokenisierung in Berührung, die für unsere Investmentplattform viele Vorteile mit sich bringt und letztlich die Lösung für das Problem war.

FONDSTRENDS.LU: Wie grenzt sich inVenture von anderen Plattformen in diesem Bereich also ab?

Lennard Fischer: inVenture ist eine Investmentplattform, die Anlegern die Möglichkeit bietet, sich an von uns ausgewählten Venture Capital und Growth Capital Fonds mittelbar ab 1000 Euro zu beteiligen. Die sogenannte „Hürde“ von 200.000 Euro gibt es zwar für Direktinvestitionen in die Fonds immer noch, der mittelbare Zugang über eine tokenisierte Anleihe, die von einer Zweckgesellschaft emittiert wird, ist aber bereits mit kleineren Beträgen möglich. In der Zweckgesellschaft wird das Geld der Anleger „gebündelt“ und anschließend in den entsprechenden Zielfonds investiert. Das klingt zwar auf den ersten Blick unspektakulär, gibt uns aber den nötigen Spielraum um die Zahlungsströme, die mit diesen Fonds verbunden sind, sehr akkurat abzubilden und uns gleichzeitig im regulatorischen Rahmenwerk zu bewegen. Wir beobachten die Entwicklung hin zu demokratisierten Zugängen in diesem Bereich schon länger und würden uns hier der Generation zuordnen, die vollständig digitalisiert agiert und durch die bereits genannte Anwendung der Blockchain-Technologie noch geringere Eintrittshürden aufweisen kann.

FONDSTRENDS.LU: Wer sind denn eure klassischen Anleger? Besonders unter dem Aspekt, dass diese Art von Investments nicht die risikoärmste Variante darstellen.

Alexander Lübcke: Mittlerweile zeichnet sich der Trend ab, dass es zum großen Teil die Berufseinsteiger sind, also zwischen 25 bis 35 Jahren sowie die Personen ab 45 und älter. Als wir das Investment nochmals von 2500 Euro auf 1000 Euro gesenkt haben, kamen einige neue Investments dazu. Dabei hat sich vor allem herausgestellt, dass gerade die jüngere Generation eher kleinere Summen über verschiedene Tokens investiert, während die ältere Zielgruppe zu den größeren Tickets tendiert.

Lennard Fischer: Sehr wichtig ist aber natürlich auch die Erfahrung. Es richtet sich viel mehr an diejenigen, die schon Erfahrung mit Aktien und ETFs gesammelt haben und auf der Suche nach Möglichkeiten sind, ihre Portfoliorenditen zu steigern oder zu optimieren. Die Folge ist die Suche nach Alternativen, die mehr Rendite bringen können. Eine gewisse Affinität für solche digitalen Investments sollte gegeben sein. Das Finanzprodukt basiert zwar auf der Blockchain-Technologie, aber der Prozess bis hin zur Investition ist wie bei gängigen Neobrokern. Zuerst meldet man sich an, durchläuft Verifizierungsprozesse und wird im Rahmen des Investitionsprozesses dann Angaben zu Kenntnissen und Erfahrungen machen. Der Prozess ist vielen Anlegern also schon vertraut und schiebt die Blockchain-Technologie in den Hintergrund.

Alexander Lübcke: Genau, zudem richtet sich diese Art der Investition an Anleger, die auch bereit sind, langfristig zu investieren. Wir haben Produkte auf der Webseite, die laufen schließlich acht bis zehn Jahre. Zukünftig wird es bei uns auch Produkte geben mit kürzeren Laufzeiten. Hier spielt uns auch die Blockchain erneut in die Karten, da aufgrund der Handelbarkeit die Möglichkeit besteht, die Beteiligung wieder zu veräußern, falls man in eine schwierige finanzielle Situation kommt. Das ist bei klassischen Fonds fast gar nicht möglich. Bei uns wird es aber – sobald der Marktplatz da ist – jederzeit möglich sein, sollte aber natürlich nicht das Ziel werden. Investieren sollte man nur, wenn man bereit ist sich zu binden und ein gewisses Risiko in Kauf zu nehmen.

FONDSTRENDS.LU: Welche Arten von Fonds gibt es bei euch auf der Plattform als mittelbare Investitionsmöglichkeit?

Lennard Fischer: Wir unterscheiden zwischen Venture Capital und Growth Capital Fonds. Fonds wie Cadence Growth Capital (CGC) investieren beispielsweise in Scale-ups, also Unternehmen, die bereits etabliert sind und wesentliche Umsätze erzielen konnten. Wir möchten da eine Trennung schaffen, da das Risiko in Unternehmen zu investieren, die bereits etabliert sind, natürlich niedriger ist als bei einem Start-up, dass noch nicht so lange auf dem Markt ist.

Bei der Auswahl der Fonds haben wir bestimmte Kriterien entwickelt. Wir achten beispielsweise besonders darauf, in welche Start-ups und Scale-Ups der Fonds bereits investiert hat, ob es Erfolge- oder Misserfolge gab. Zudem spielt das Team eine wichtige Rolle. Dahinter steht ein längerer Prozess, in dem wir uns auch die Zeit nehmen, mit dem Team hinter dem Fonds ins Gespräch zu kommen.

FONDSTRENDS.LU: Gibt es mit Blick auf eure Zielfonds Branchen, die herausstechen oder dominieren?

Lennard Fischer: Die Fonds haben alle ihre eigene Nische. Planet A investiert beispielsweise in GreenTech Unternehmen, also Start-Ups, die mindestens zu einem der Bereiche Emissions-Reduktion, Abfall-Reduktion, Ressourcen-Effizienz und Biodiversitäts-Schutz maßgeblich beitragen. Im Portfolio befinden sich bereits spannende Unternehmen wie Dance, Ineratec und Traceless.
Bei Cadence Growth Capital (CGC) liegt der Fokus auf Tech- und Tech-Enabeling Unternehmen in der Wachstumsphase. Der Fonds investiert pro Unternehmen mindestens 10 Mio. €. Im Portfolio befinden sich unter anderem Moonfare, PlusDental und everphone.
Zukünftig wird es weitere Fonds geben, darunter unter anderem auch ein Blockchain Fonds, der schwerpunktmäßig in den Bereichen Web 3.0, Metaverse und NFT investiert.

FONDSTRENDS.LU: Welche Möglichkeiten bestehen in Hinblick auf die Allokation des Portfolios?

Alexander Lübcke: Aus Portfolioallokationssicht macht es Sinn, Venture Capital dem eigenen Portfolio beizumischen. Das traditionelle 60/40 Aktien/Anleihenportfolio hat Langezeit gute, konstante Renditen erzielt, ist aber nicht mehr zeitgemäß –gerade aufgrund der Niedrigzinsphase hat das in letzter Zeit vielleicht nicht mehr so gut funktioniert, schaut man sich beispielsweise die großen Stiftungsfonds wie den der amerikanischen Universität Yale an: Dort werden seit vielen Jahren große Teile des Portfolios in Private Equity und Venture Capital investiert. Gerade in den letzten Jahren zeigt sich, dass der Venture Capital Anteil stark gestiegen ist, teilweise auf mehr als 20 %. Das liegt unter anderem daran, dass die Wertschöpfung von Unternehmen immer mehr in den privaten Kapitalmärkten stattfindet. Als Microsoft beispielsweise an die Börse ging, lag die Bewertung damals bei rund 800 Millionen, jetzt sind es rund 2 Billionen. Vergleicht man dies mit beispielsweise Meta (ex Facebook), die bei ihrem Börsengang, fast drei Jahrzehnte später, rd. 100 Milliarden Wert waren, wird die Entwicklung deutlich. Wenn man sich jetzt aktuelle Unternehmen anschaut, sieht man auch, dass diese einfach viel länger an den privaten Kapitalmärkten bleiben und der Wert, mit dem sie an die Börse gehen deutlich höher ist. Das ist ein großer Teil der Wertschöpfung an dem Kleinanleger immer noch nicht partizipieren können. Über Venture Capital und Growth Capital Fonds und später auch noch Private Equity Fonds ist das möglich – genau da setzt inVenture an.

FONDSTRENDS.LU: Herr Fischer, Herr Lübcke, wir bedanken uns für das interessante Gespräch und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

 

30. März 2022

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Autor

Lennard Fischer

Lennard Fischer ist Co-Founder und CEO des Berliner FinTechs inVenture. Er absolvierte ein Masterstudium der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Finance an der Gründeruniversität Carl von Ossietzky in Oldenburg. Vor der Gründung von inVenture arbeitete er in den unterschiedlichsten Institutionen, wie z.B. Deloitte und William Blair sowie im Corporate Venture Capital bei der NWZ Digital.

Autor

Alexander Lübcke

Alexander Lübcke ist Co-Founder und CFO des Berliner FinTechs inVenture. Er absolvierte ein Masterstudium der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Finance an der Gründeruniversität Carl von Ossietzky in Oldenburg. Vor inVenture war er unter anderem bei KPMG, im Assetmanagement der Sparkasse Bremen sowie in der Beratung der M&A-Boutique Oaklins tätig.

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