Trends im Finanzsektor in einem Index: Der TREND FINDEX

„Ohne Daten sind Sie nur eine weitere Person mit einer Meinung“ formulierte der US-amerikanische Physiker, Statistiker sowie Pionier im Bereich des Qualitätsmanagements William Edwards Deming. Trends frühzeitig zu erkennen und richtig einzuschätzen schafft nicht nur Mehrwerte im Bereich Portfoliomanagement. Ein Unternehmen kann Trends auch für die Produktentwicklung, Risikoeinschätzung oder im Bereich Content Marketing nutzen. Mit dem TREND FINDEX gibt es nun einen auf Web und Social Media Daten basierenden Index für Trends im Finanzsektor. FondsTrends sprach mit den Initiatoren, Marco Feiten, Managing Director CURE Intelligence und Joachim Althof, Managing Partner GFD Finanzkommunikation.

 

FondsTrends: Herr Feiten, Herr Althof, wie kam es dazu, dass sich ein Marketing Intelligence Unternehmen und eine Finanzkommunikationsagentur zusammen auf Trendsuche begeben haben?

Marco Feiten: Wir arbeiten mit GFD Finanzkommunikation im Bereich der Medienbeobachtung und -analyse schon seit 2017 zusammen. Unsere Kompetenz liegt in der Datengewinnung, -aufbereitung und -analyse. GFD nutzt diese Ergebnisse für ihre Kunden, etwa zur Erfolgsmessung, zum Reputationsschutz oder auch zur Identifizierung und Bewertung zweckmäßiger Distributionskanäle für die kommunikativen Inhalte, die GFD für ihre Kunden erstellt. In der Zusammenarbeit haben wir uns mehrfach auch über das Thema Trendbeobachtung und -analyse ausgetauscht. Da CURE ebenfalls viele Kunden im Finanzsektor hat, für die das Thema wertschaffend ist, kam es im Sommer 2020 zu der Idee, einen gemeinsamen Index für Finanztrends aufzusetzen.

Joachim Althof: Es gibt ähnliche Konzepte wie zum Beispiel das Edelman Trust Barometer oder das Sentimentmodell Sentix. Wir möchten den TREND FINDEX als DEN Index für die Erkennung, Beobachtung und Analyse von Trends in der Finanzwelt etablieren.

FondsTrends: Welche Themen bewegen die Finanzmarkt-Teilnehmer denn aktuell am stärksten?

Joachim Althof: Ganz oben stehen als übergreifende Themen der Lockdown, die Schuldenkrise und der Klimawandel. Das ist wenig verwunderlich, denn die Themen bedingen sich ja auch gegenseitig. Interessant wird jetzt sein, zu sehen wie es weitergeht. Was ist, wenn der Lockdown vorbei ist? Dominieren dann die Sorgen hinsichtlich der Schuldenkrise die Diskussion? Gibt es beim Thema Klimawandel irgendwann Erschöpfungserscheinungen? Das versuchen wir mit TREND FINDEX frühzeitig zu erkennen. Der Erfolg von Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen hängt nicht zuletzt davon ab, dass den Absendern die Stimmung der Adressaten bewusst ist und sie darauf reagieren können. Und diese Stimmung soll TREND FINDEX ausloten.

Marco Feiten: Ganz aktuell zeigen sich vermehrt Beiträge und Diskussionen über Inflation, steigende Renditen und daraus resultierende Risiken für die Börsen. Wir sind selbst gespannt, ob daraus ein „richtiger“ Trend erwächst oder es nur ein kurzfristiges „Aufpoppen“ ist.

FondsTrends: Zählt der TREND FINDEX vor allem die Zahl der veröffentlichten Beiträge zu einem bestimmten Thema? Bitte erläutern Sie uns kurz den analytischen Ansatz, Herr Feiten.

Marco Feiten: Wir zählen mittels unseres Media Monitoring Tools in der Tat die Veröffentlichungen in Online-Medien, also News, Blogs und Social Media zu Themen und Themen-Clustern. Doch viele Artikel zu einem Thema sind noch nicht unbedingt ein Hinweis darauf, dass es bei den Lesern, also letztlich den Finanzmarktteilnehmern, wahrgenommen und diskutiert wird, ob ein nachhaltiges Interesse besteht. Deshalb erheben wir auch die Reaktionen auf die Artikel, das Engagement. Das können Facebook-Kommentare sein, Retweets bei Twitter oder Likes für ein YouTube-Video. Die dritte Komponente ist die Entwicklung des Trends. Neue Beiträge werden höher gewichtet als zeitlich zurückliegende, um der Aktualität und Dynamik der Trendanalyse gerecht zu werden. Nur wenn wir einen Anstieg bei Artikeln und Reaktionen sehen, wird der Trend als relevant erkannt. Visualisiert wird das durch den selbst entwickelten „Trending Score“. Er gibt komprimiert in einem Wert zwischen 1 und 100 an, zu welchen Themen sich aktuell die meisten Inhalte und Reaktionen finden. Für eine monatliche Ausgabe des TREND FINDEX werden rund 2,5 Millionen Beiträge und 25 Millionen Reaktionen untersucht. Eine so große Zahl ist nötig, um relevante Aussagen zu Trends und Entwicklungen treffen zu können.

FondsTrends: Wie viele Themen werden denn untersucht? Und was ist eine zentrale Erkenntnis aus Ihrer aktuellen TREND FINDEX-Ausgabe?

Joachim Althof: Wir untersuchen derzeit rund 100 Trends, die aus den Kategorien Politik, Konjunktur, Investments, Nachhaltigkeit und Digitalisierung stammen. Damit sind unserer Überzeugung nach alle derzeit wichtigen Trends abgedeckt, die für Finanzmarktteilnehmer relevant sind. Eine monatliche Auswertung der 40 Trends mit dem höchsten Trending Score kann auf www.trend-findex.de heruntergeladen werden. Zu den Trends, bei denen wir Hinweise auf einen starken Anstieg im Januar sahen, zählt zum Beispiel das Thema „Trading Apps“. Auslöser waren Absprachen von Kleinanlegern in Foren wie reddit, die Trading Apps genutzt haben, um Investments wie die Gamestop-Aktie gezielt nach oben zu treiben.

Dieser Trend ist auch aus einem weiteren Grund interessant. Hier zeigt sich durch die neuen Handels-Technologien eine zunehmende Geschwindigkeit von Entwicklungen, was auch Fragen nach der Finanzmarktstabilität aufwirft. Das könnte dann wiederum Trends aus der Politik-Kategorie beeinflussen, wenn durch den Erfolg der Trading-Apps eine striktere Regulierung ausgelöst wird. Diese Frage werden wir nach den nächsten Auswertungen sicher noch detaillierter beantworten können.

FondsTrends: Wie bzw. wozu kann der TREND FINDEX eingesetzt werden?

Marco Feiten: Eine Möglichkeit ist ein aktueller „Realitäts-Check“. Wie weit spielt das Thema, mit dem ich mich gerade beschäftige, tatsächlich in der breiten Öffentlichkeit eine Rolle? Der Trending Score setzt alle Trends in Relation zueinander. „Bitcoin“ und „Krypto-Assets“ sind unter den Top 40 Trends, aber noch hinter allgemeinen Anlagethemen wie z.B. Value Investing. Ein jüngeres Beispiel war das Thema ESG, das eine gewisse Omnipräsenz bei Asset Managern erreicht hat. Das Thema bleibt unzweifelhaft wichtig, aber durch die drohende Sättigung wachsen die Herausforderungen für eine kommunikative Positionierung.

Eine zweite Anwendung ist die Identifikation von Themen-Clustern, die belegen, wie Trends verknüpft sind und sich gegenseitig verstärken. Hier werden wir in den kommenden Monaten weitere Insights bringen, weil dann eine bessere Datenbasis vorliegt. Konkretes Beispiel: Wie sehr korreliert der Trend Staatsverschuldung mit Krypto-Assets? Dies ist daher interessant, weil lange die Edelmetalle als Fluchthafen galten, es hier aber Verschiebungen zu geben scheint – sofern nicht die Regulatorik eine Trendwende bewirkt.

Die dritte Anwendung wird in den kommenden Monaten mit den weiteren Auswertungen deutlich werden. Der TREND FINDEX wird zu einem Real-Time-Trendindikator weiterentwickelt. Nutzer können den Verlauf einzelner Trends im Verhältnis zu anderen Themen verfolgen und ihre Schlüsse daraus ziehen. Analytisch fundiert Entscheidungen auf Basis von Finanztrends treffen zu können, das ist das Ziel des TREND FINDEX.

FondsTrends: Das klingt äußerst spannend! Herr Feiten, Herr Althof, wir danken Ihnen für die Erläuterungen und würden uns freuen, wenn Sie unseren Leserinnen und Lesern künftig regelmäßig datenbasiert die Trends im Fondssektor bzw. Asset Management darstellen.

 

22. Februar 2021

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

zwölf − 6 =

Thema

Der TREND FINDEX

Hier besteht die Möglichkeit, sich die jeweilige Auswertung des TREND FINDEX monatlich zusenden zu lassen.

Autor

Marco Feiten

Marco Feiten ist Managing Director bei der in Luxemburg ansässigen CURE Intelligence. Das Unternehmen steht für Expertise in Medienbeobachtung und -analyse, Data Intelligence und Social Media Marketing. Der gelernte Bankkaufmann arbeitete nach seinem BWL-Studium zunächst bei einem mittelständischen Vermögensverwalter im Raum Stuttgart in der Geschäftsleitung und im Portfoliomanagement. Danach war er als Business Development Manager für eine große Bank in Luxemburg tätig, wo er primär zur Expansion des internationalen Geschäfts beitrug.

2009 wechselte Marco Feiten zur neu gegründeten CURE Intelligence, wo er den Geschäftsbereich Web & Social Media Monitoring und Marketing federführend aufbaute. CURE Intelligence betreut das Portal fondstrends.lu redaktionell.

Autor

Joachim Althof

Joachim Althof

Joachim Althof ist Managing Partner bei GFD Finanzkommunikation und gilt als ausgewiesener Spezialist für Finanzpressearbeit. Zu seinen Kunden zählen internationale Asset Manager, Vermögensverwalter und Fintechs. Der studierte Diplom-Volkswirt hat mehr als zehn Jahre lang im Finanzjournalismus gearbeitet, zuletzt als Ressortleiter beim Wirtschaftsmagazin €uro im Axel Springer Finanzen Verlag. Die journalistische Ausbildung absolvierte er bei der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft.

Weitere Empfehlungen für Sie:

Jetzt an unserer Umfrage teilnehmen!